Start Regionales Boppard RHA-Sommerinterview mit Bürgermeister der Stadt Boppard Dr. Walter Bersch

RHA-Sommerinterview mit Bürgermeister der Stadt Boppard Dr. Walter Bersch

Walter Bersch, Bürgermeister BoppardAm 1. August geht Dr. Walter Bersch in sein 24. und letztes Jahr als Bopparder Bürgermeister. Der Sozialdemokrat wird am 14. März nicht mehr kandidieren und in der Folge als „Alt-Bürgermeister“ ein neues Kapitel seines Lebens beginnen. „Ich werde die Zeit nach der Beendigung meiner Bürgermeistertätigkeit gut nutzen und meinen Ruhestand genießen“, sagt der Oppenhausener im Gespräch mit dem RHA.

Können Sie es sich wirklich vorstellen, wie es sein wird, wenn Sie im kommenden Jahr nicht mehr Bürgermeister sind?
Ja.
Während Ihrer langen Amtszeit hat sich einiges in Boppard verändert. Was davon halten Sie persönlich für die wichtigsten Veränderungen und Fortschritte?

Die Stadt ist zusammengewachsen. So ist es beispielsweise unstrittig, dass Gewerbe und Industrie zentral an einer Stelle und nicht auf die zehn Ortsbezirke verteilt angesiedelt werden. Die kleineren Ortsbezirke sind gut positioniert. In der Kernstadt sind viele wichtige Projekte durchgeführt worden. So haben wir bis jetzt in die Stadtsanierung in zurückliegenden Jahren insgesamt mehr als 16 Millionen Euro investiert. Der Krankenhausstandort Boppard ist gesichert. Die Tiefgarage an zentraler Stelle hat hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet. Die Kurfürstliche Burg ist saniert und mit einem attraktiven Museum mit einer attraktiven Gastronomie ausgerüstet. Die erfolgreiche Sanierung des Karmelitergebäudes als Verwaltungsgebäude ist absehbar. Für den Bauhof haben wir attraktive und leistungsstarke Betriebsstätten in Bad Salzig und Buchholz geschaffen. Insgesamt haben wir in den letzten zwei Jahrzehnten zehn Neubaugebiete mit insgesamt 350 Baugrundstücken verwirklicht, so dass im Gegensatz zu den Prognosen zum demografischen Wandel in Boppard erfreulicherweise kein Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen ist. Darüber hinaus haben wir auf unseren rund 5.000 privaten Hausgrundstücken keinen Leerstand, allenfalls kurzfristigen Leerstand. Boppard ist attraktiv.

Gibt es etwas, was Sie noch gerne erreicht hätten?
Natürlich. Ich hätte gerne ein attraktives ganzjähriges Schwimmbad mit Orientierung auf Gesundheit und Wellness realisiert, was nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, sondern auch für die gesamte Region und darüber hinaus den Tourismus gewinnbringend wäre. Ich hätte auch gerne Weichen für eine weitere Entwicklung von Industrie und Gewerbe an der A 61 gesetzt und schließlich hätte ich auch gerne die Fachmärkte in Buchenau angesiedelt. Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist. 2016 haben wir die konkreten Ansiedlungswünsche von entsprechenden Märkten nicht erfüllt. Nun wird es nach der Corona-Krise sehr schwierig werden.

Kommen wir zu aktuellen Themen: Um den Mehrgenerationenpark gab es immer wieder „Gepolter“. Wie ist der Stand der Dinge?
Die Planung ist abgeschlossen. Der zuständige Ortsbeirat und auch der Stadtrat haben diese in ihrer jeweils letzten Sitzung im Juni 2020 bestätigt. Die Baugenehmigung liegt vor. Die Ausschreibungen laufen und die Maßnahme wird bis zum Frühjahr 2021 abgeschlossen sein. Aus aufgegebenen Tennisplätzen und einem änderungsbedürftigen Kinderspielplatz wird ein attraktiver Treffpunkt für alle Generationen in bester Lage in Boppard entstehen.

Die Coronapandemie hat auch den Tourismus in Boppard jäh gestoppt. Sehen Sie Licht am Ende des Tunnels oder müssen sich Hotels, Gastronomie und Beherbergungsbetriebe längerfristig mit niedrigeren Gästezahlen abfinden?
Ich sehe Licht am Ende des Tunnels. Allerdings müssen wir weiterhin einen langen Atem beweisen. Aktuell weisen wir im Vergleich zu anderen Orten relativ gute Zahlen aus. Hierzu hat auch unsere Profilierung als Wanderdestination stark beigetragen. Es ist fraglich, ob wir im kommenden Jahr 2021 zur alten Stärke zurückgefunden haben. Aber spätestens 2022 wird Boppard wieder sehr gut dastehen.

Jahrelang war der Bahnlärm ein Thema, das die Menschen im Mittelrhein plagte. In jüngster Zeit hört man verstärkt Klagen über die Zunahme von Motorradlärm. Ist dies auch in Boppard ein Problem?
Nicht wirklich. Die Menschen sind umweltbewusster geworden und stellen zu recht die Frage, warum wird vermeidbarer Lärm nicht tatsächlich vermieden. Ich setze auf eine gute bundeseinheitliche Lösung.

Auch die Fahrräder mit E-Motorunterstützung sorgen zunehmend für Ärger. Viele oft ungeübte und ältere E-Biker haben die Waldwege für sich entdeckt, stören und gefährden die Wanderer. Ist dies auch auf den herrlichen Bopparder Wanderwegen ein Problem?
Die Probleme mit ungeübten E-Bikern auf Waldwegen halten sich in Grenzen. Unser Problem ist seit vielen Jahren, dass in Verbindung mit der Hunsrückbahn viele illegale Querfeldeinfahrten von Buchholz oder Fleckertshöhe hinunter ins Tal durch den Wald erfolgen. Der Wildbestand wird hierdurch verschreckt. Auch kommt es vereinzelt zu Gefährdungen von Wanderern.

Im Bopparder Freibad wird fleißig gearbeitet. Steht schon ein Termin für die Wiedereröffnung fest?
Ostersamstag, 3. April 2021.

Die Fragen stellte RHA-Redakteur Jürgen Zanger [za]

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