Start Regionales Boppard Klimawandel bedroht Zukunft des Weinbaus im Bopparder Hamm

Klimawandel bedroht Zukunft des Weinbaus im Bopparder Hamm

Mittelrhein. Winzer gelten als bodenständig, viele Betriebe haben eine lange Familientradition. Die Arbeit im Weinberg ist schon immer geprägt von Wetterkapriolen. Doch mit ihrer Erfahrung haben sie bisher immer Starkregen, Hagel, Fröste und Hitze gemeistert.

„Uns Winzer erschüttert so schnell nichts“, sagt der Bopparder Michael Schneider „Doch aktuell mache ich mir angesichts der anhaltenden Trockenheit ernsthaft Sorgen um die Zukunft.“ Eine nachdenkliche Aussage, zumal Winzer nicht zur Panikmache und Übertreibungen neigen.

Wer mit offenen Augen durch den Bopparder Hamm spaziert und sich die Rebstöcke anschaut, sieht selbst als Laie, dass viele Blätter welk aussehen oder sogar abgefallen sind. Der Grund: Es fehlt seit Monaten an ausreichenden Niederschlagsmengen. Nicht nur große Flächen des rheinland-pfälzischen Waldes sterben buchstäblich ab, nicht nur die Getreidebauern beklagen dramatische Ernterückgänge, nicht nur in der Viehhaltung wird das Futter knapp: Auch der heimische Weinbau leidet jetzt massiv unter der Dürre.

Die extreme Trockenheit und Hitze der Jahre 2018 und 2019 haben die Weinlagen noch einigermaßen gut verkraften können, dank guter Böden und eines guten Mikroklimas wie beispielsweise am Bopparder Hamm konnten sich Winzer sogar über Weine mit sehr guter Qualität und Quantität freuen. Doch das dritte Dürrejahr in Folge ist schlichtweg zu viel. In Rheinland-Pfalz lag die durchschnittliche Temperatur im Juli um fast ein Grad über dem langjährigen Mittel, gleichzeitig fiel dramatisch wenig Regen: Mit nur 21 Litern auf den Quadratmeter lag die Niederschlagsmenge um 71 Prozent unter dem langjährigen Mitte mit 73 Litern. Die vergangenen drei Jahre gehörten zu den trockensten Jahren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Klimawandel scheint spürbar bei uns in der Region angekommen zu sein.

Michael Schneider stellt sachlich, trotzdem erkennbar sorgenvoll, fest: „Diese Trockenheit geht jetzt absolut an die Substanz der alten Rebstöcke. Blätter fallen ab, die Stöcke sterben ab und viele Trauben sind verschrumpelt“, so der erfahrene Winzer. Mit Blick auf die Weinlese rechnet Schneider mit einer deutlich geringeren Menge. „Es fehlt Flüssigkeit, da kommt zu wenig Most raus“, sagt er kurz und knapp. Auf die Frage des RHA-Redakteurs, welche Auswirkungen weitere zu trockene Sommer in den kommenden Jahren hätten, wird Schneider sehr deutlich und zeichnet ein düsteres Bild. „Wenn es dauerhaft so wäre wie in den vergangen drei Jahren, dann wächst am Bopparder Hamm in zehn Jahren kein Weinstock mehr. Die Weinregion wäre gestorben.“

Bewässerung notwendig
Michael Schneider glaubt, dass eine gezielte Bewässerung der Weinlage Bopparder Hamm vor dem Hintergrund des Klimawandel notwendig sein wird. „Dafür müsste man komplett neue Wege gehen. Eine Lösung könnten Bohrungen sein um Rhein-Ufer-Filtrat für den Bopparder Hamm zu gewinnen“, so Scheider. „Ich fürchte aber, dass dies politisch nicht durchsetzbar sein wird.“ Der Präsident des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau Michael Horper und Hauptgeschäftsführer Dr. Josef Derstappen halten es dagegen für eher durchsetzbar, dass Rückhaltebecken gebaut würden. Doch auch dies sei sicherlich genehmigungsrechtlich schwierig und zudem sehr kostspielig. Es sieht also ganz so aus, als müssten sich die Winzer mit all ihrer Erfahrung gegen die gefährliche Trockenheit stemmen. „Natürlich machen wir uns auch Gedanken über wasserschonende Rebsorten. Doch bis neue Rebsorten Erträge bringen, vergehen viele Jahre“, so Schneider. Eine Zeit, die der Klimawandel den Winzern vermutlich nicht lässt. Es bleibt vorerst nur die Hoffnung auf ergiebige Regenfälle. [za]

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