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Holzfeld: Der Ortsvorsteher informiert

Rückblick auf das erste Jahr als Ortsvorsteher
Holzfeld. Vor etwas mehr als einem Jahr wurde ich offiziell in das Amt des Ortsvorstehers von Holzfeld eingeführt. Dass dieser Posten und die damit anfallenden Aufgaben keine „Selbstläufer” sind, war mir im Vorfeld der vergangenen Kommunalwahl natürlich bewusst. Der Einstieg wurde mir jedoch sehr erleichtert durch die tolle Zusammenarbeit mit dem Bauhof. Hierbei ist anzumerken, dass ich den Kollegen dort nicht weisungsbefugt, sondern lediglich ein „Bittsteller” bin. Gleiches gilt auch für den Verwaltungszweig. Bei der Stadtverwaltung rennt man als Ortsvorsteher, genau wie jeder andere Bürger, schon einmal gegen die Wand. Um bei der Metapher zu bleiben, muss in dem Zusammenhang aber auch erwähnt werden, dass die Mitarbeiter der Verwaltung einem immer Türen zeigen, damit Vorhaben (in abgewandelter Form) realisiert werden können.

In den vergangenen 18 Jahren habe ich durch meinen Beruf gelernt Gesetze, Erlasse und Richtlinien zu lesen, anzuwenden und Softwaremodule daran anzupassen. Die Ausnahmen der Ausnahme in Sonderfällen und die Zuständigkeiten einzelner Fachbereiche sorgen dafür, dass für Realisierungen viel Geduld, Beharrlichkeit und Zusammenarbeit notwendig sind. Dies gilt sowohl beim Bund als auch beim Land und den Kommunen.

Wer die Hauptsatzung unserer Stadt kennt weiß, dass die Ortsbeiräte nur über wenige Themen abschließend entscheiden dürfen und selbst diese Entscheidungen können durch den Stadtrat gekippt werden. Ich bin ein Freund der verbandsfreien Stadt. Das reduziert meiner Meinung nach die Verwaltungsausgaben und Personalkosten und bündelt Aufgaben- und Themenkomplexe sinnvoll. Dass man in solch einem Gebilde mit zehn verschiedenen Bezirken auch gegenseitig Rücksicht nehmen und Prioritäten im Ganzen betrachten muss, versteht sich von selbst. Ohnehin werden in der Stadt

Boppard alle Bezirke gleich behandelt, soweit die Theorie. In der Praxis sieht das Ganze dann schon etwas anders aus. Jeder Stadtteil hat seine Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmale, die es zu fördern und zu erhalten gilt, dennoch werden ortsspezifische Anregungen häufig pauschal unter dem Deckmantel der „einheitlichen Behandlung der Ortsbezirke” abgelehnt.

Die prämierten Wanderwege um Holzfeld herum gleichen einer langgezogenen Hundetoilette. „Die Hundebesitzer sind hier in der Pflicht“ heißt es offiziell. In den Rheinanlagen in Boppard ragen stilvolle „Dog-Stations” an den Gehwegen hervor. Eine Anschaffung von einem Beutelspender und ein bis zwei Mülleimern (also eine wesentlich kostengünstigere Variante) durch den Ortsbeirat wurde hingegen abgelehnt.

Im Stadtrat wird gefühlt stundenlang über die Verkehrssicherheit für Fußgänger in einer Sackgasse diskutiert, während die Hinweise aus dem Ortsbeirat Holzfeld zur Umsteige-Situation der Schulkinder an einer Landstraße mit Tempo 100 km/h (beziehungsweise 70 km/h) seit einem Jahr in der „Verwaltungs-Pipeline” liegen.

Neben den bestehenden öffentlichen Toilettenanlagen und der Möglichkeit sein Geschäft als Gast in einem der vielen Gastronomiebetrieben in Boppard zu verrichten, ist die Notwendigkeit einer weiteren Toilette in der Kernstadt gegeben. Wandertouristen und vor allem ältere einheimische Mitbürger würden sich auch über eine Toilette am Friedhof Holzfeld freuen, wie sie schon seit Jahren gewünscht ist.

In Holzfeld laufen Überlegungen, wie zwei Straßen, die durch einen Hang getrennt sind, für Fußgänger mit Kinderwagen verbunden werden können, ohne den Haushalt zu belasten (sprich: Eigenleistung). In Buchenau wird ein bereits vorhandener unbefestigter Fußweg in eine befestigte Treppe mit Kinderwagenrampe umgewandelt.

Neu- und Anbauten der Gerätehäuser in Boppard, Buchholz und Bad Salzig (die für mich ohne Frage notwendig sind) werden den Haushalt der Stadt mit Sicherheit in sechs- bis siebenstelliger Höhe belasten. Das Feuerwehrgerätehaus in Holzfeld (im Gemeindehaus integriert) wurde in Eigenleistung erbaut und ebenso regelmäßig in ehrenamtlicher Arbeit durch die Kameraden renoviert. Nach der großen Gemeindehaussanierung 2018 wurden unter anderem nach 30 Jahren neue Tore und Türen installiert. Die nicht bei geputzten Schlitze in der Fahrzeughalle und im Schulungsraum sind „zweckdienlich und bedürfen keiner Nacharbeit“. Hier sind keine Mittel vorhanden, um den alten Stand wiederherzustellen und damit die unzähligen Arbeitsstunden der ehrenamtlichen Kameraden zu würdigen.

Beim ersten Corona-Lock-Down und der damit verbundenen extremen Reduzierung der Busverbindungen setzten wir uns in Holzfeld mit allen vorhandenen Mitteln dafür ein, dass das ANDI-Taxi für die Zeit des Lock-Downs weiterlaufen soll, um die Mobilität in den kleinen Orten zu gewährleisten. Dass der Einsatz vergebens war ist für mich weniger schlimm als die Begründungen, die mir in einer Telefonkonferenz mit dem Stadtrat dafür vorgetragen worden sind: „In Boppard ist das kein Problem, da haben wir das (Versorgung von Menschen ohne Auto oder Führerschein) im Griff. In Holzfeld muss halt die Nachbarschaftshilfe einspringen und die nicht mobilen Menschen fahren.“ Weitere Beispiele würden an dieser Stelle zu weit führen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich sehe natürlich auch die Notwendigkeit von den vorgenannten Maßnahmen in den Bezirken. Ich begrüße auch die Entscheidungen, die dazu getroffen werden. Eine Toilette in sauberen (Dog-Station) Rheinanlagen, eine befestigte Treppe in Buchenau, die Diskussionen um die Verkehrssicherheit und vieles Weiteres sind gut und wichtig für die Entwicklung unserer Stadt. Ich fordere auch kein neues Gerätehaus für die Feuerwehr Holzfeld und bezweifle nicht die Wichtigkeit der neu geplanten Feuerwehrhäuser, ganz im Gegenteil. Ich würde mich lediglich freuen, wenn man in der Stadt einheitlich verfahren und die individuellen Bedürfnisse unserer Bezirke mit ihren Einwohnern gleichermaßen Beachtung schenken würde. Auch die kleinen Orte sind ein Teil dieser Stadt und letztendlich der Hauptgrund, weshalb sich Boppard noch verbandsfreie Stadt nennen darf.

Johannes Link, Ortsvorsteher

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