Start Politik + Wirtschaft Starke Stimme(n) für eine moderne Prostitutions-Politik in Deutschland:

Starke Stimme(n) für eine moderne Prostitutions-Politik in Deutschland:

SOLWODI und über 30 weitere Vereine und Initiativen starten bundesweites „Bündnis Nordisches Modell“ für einen Perspektivwechsel 

Boppard. „Prostitution ist ein perfides System aus sexueller Ausbeutung und brutaler Gewalt. Das macht die Corona-Pandemie jetzt endgültig sichtbar. Mädchen und Frauen in der Prostitution sind noch schutzloser der Willkür von Zuhältern und Freiern ausgeliefert, als sie es zuvor schon waren. Wir brauchen endlich eine moderne Prostitutionspolitik in Deutschland!“ 

Das fordert das neu gegründete „Bündnis Nordisches Modell“, ein bundesweiter Zusammenschluss aus derzeit über 30 menschenrechtlichen Vereinen, Initiativen und Netzwerken – darunter auch Betroffene- und Aussteigerinnen-Organisationen – sowie zahlreichen Aktiven aus der Zivilbevölkerung und Politik. Die Menschenrechts- und Frauenhilfsorganisation SOLWODI Deutschland mit Sitz in Boppard ist Gründungsmitglied des Bündnisses. 

Die Experten des Bündnisses schließen sich somit der Empfehlung des Europäischen Parlaments von 2014 an, die sich an alle EU-Mitgliedsstaaten richtet, das Nordische Modell zu übernehmen: Dieses Modell sieht insbesondere die Entkriminalisierung von Frauen in der Prostitution und effektive Ausstiegshilfen vor und bekämpft gleichzeitig die Nachfrage, was sexuelle Ausbeutung unprofitabel macht und somit auch den Menschenhandel. 

1999 hatte Schweden als erstes Land das Nordische Modell eingeführt, um Gewalt gegen Frauen zu beseitigen und die Gleichberechtigung der Geschlechter voranzutreiben. Es folgten weitere Länder, darunter Norwegen, Irland, Frankreich und Israel. 

Starke Stimme(n) für eine moderne Prostitutions-Politik in Deutschland:

„Deutschland muss endlich wegkommen von den gescheiterten Versuchen des nicht regulierbaren Gewaltsystems Prostitution – hin zu einem zeitgemäßen und bereits in acht Ländern erprobten gesetzlichen Ansatz, dem Nordischen Modell. Weg vom Bordell Europas – hin zu echter Hilfe für Mädchen und Frauen in der Prostitution, echten Strafen für Täter, echter Aufklärung der Gesellschaft. Die Politik muss hier genau hinsehen, zeitgemäß handeln und von Vorreiter-Staaten lernen“, so die Sprecherinnen des Bündnisses.

Der offizielle Startschuss für das bundesweite Bündnis Nordisches Modell fiel am 21. Februar. Ende März fand die erste Versammlung aller Delegierten und die Wahl des Lenkungskreises statt. Der Bündnisgründung vorausgegangen war eine große und erfolgreiche Vernetzungs-Tagung im September 2020 in Bonn. Hier hatten sich unterschiedliche Akteure aus ganz Deutschland dazu entschlossen, Kräfte zu bündeln und mit einer starken Stimme zu sprechen: für einen Wechsel in der Prostitutionspolitik nach dem Nordischen Modell. 

Zu den Bündnispartnern zählen unter anderem das Netzwerk Ella – ein Zusammenschluss von Frauen, die in der Prostitution waren oder sind, sowie weitere Aussteigerinnen, die sich dafür einsetzen, dass Prostitution als das anerkannt wird, was sie ist: sexuelle Gewalt. 

Auch vier große frauenrechtlich und humanitär arbeitende Institutionen sind im Bündnis: SOLWODI Deutschland, SISTERS, TERRE DES FEMMES, KDFB. Das neu gegründete Bündnis wächst stetig und steht mit seiner Expertise Politik und Gesellschaft für Beratung und Aufklärung zur Seite.

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