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Bahnlärm – Hilfe, wir werden überrollt

Mittelrhein. Mit einem dringenden Appell an alle Landes- und Bundespolitiker, endlich ein Tempolimit und Nachtfahrverbote für laute Güterzüge auszusprechen, wendet sich das Bürgernetzwerk Pro Rheintal in diesen Tagen an die Politik. 

Sprecher des Netzwerks, Frank Gross, sagt: „Die Bahn hat nichts von dem eingehalten, was sie seit zwei Jahrzehnten versprochen und fest zugesagt hat, nämlich den Bahnlärm bis 2020 um die Hälfte zu reduzieren.“ Auch das Gesetz zum Verbot lauter Güterzüge sei eine Farce, denn es gehe lediglich darum, dass damit Graugussbremsen verboten werden sollen, was aber die eigentlichen Störgeräusche, das Rattern, das Quietschen, das Dröhnen und Vibrieren, gar nicht berücksichtige.

Bahnlärm – Hilfe, wir werden überrollt
Die aktuellen Aufzeichnungen der bahneigenen Messstelle in Andernach zeigen, dass nachts, wo laut WHO die Lärmwerte nicht über 45 dB(A) sein sollten, real 100 dB(A) keine Seltenheit sind. Selbst die falsch gemittelten Pegel liegen alle noch über 70 dB(A). (Quelle: https://www.laerm-monitoring.de/echtzeit?mp=8)

Der Hangrutsch auf der rechten Rheinseite bei Kestert sei ein Produkt aus Witterung und zunehmenden Erschütterungen durch Rad- und Schienenfehler. Das Schiefergestein, das – wie Blätterteig strukturiert – durch Witterung Risse bilde, werde dann durch die Bahnerschütterungen zum „Auseinanderblättern“ und Abstürzen gebracht. Die Gefahr würde aber seitens der Bahn und des Bundes nicht einmal gemessen und bewertet, weil die Lärmmessungen tiefe Frequenzen und Erschütterungen ausklammerten.

Zuglärm würde so ermittelt, als würde man den Schall einer Stereoanlage messen, bei der man vorher die Bassboxen abgeklemmt habe. Hier läge auch der Fehler in der Kalkulation der Bahn, dass sich die Lärmpegel nach der Umrüstung der Bremsen um die Hälfte reduzieren. Die Umrüstung verringert lediglich das Rauschen, also die hellen Töne, aber nicht das Poltern, Rattern und Dröhnen, das gar nicht erfasst würde.

Zusätzlich, so Gross, würden die Messungen von Bahnlärm gegenüber der Straße um 15 bis 20 dB(A) verfälscht, weil die eingerechneten Pausen zwischen den Zügen die Lärmwerte erheblich absenkten. Das sei der Tatsache zuzuschreiben, dass die Lärmmessungen der Bahn 1974 einfach von der Straße übernommen und bis heute nicht korrigiert wurden. Wie die aktuellen Messwerte der bahneigenen Messstelle in Andernach zeigen, sind nachts, wo laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Lärmwerte nicht über 45 dB(A) sein sollten, real 100 dB(A) keine Seltenheit und selbst die falsch gemittelten Pegel liegen alle noch über 70 dB(A).

Das sei Körperverletzung in höchstem Grade. Die Menschen bekämen keine Ruhe und stünden nicht nur in Gefahr, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erleiden, sondern müssten im Alltag durch Konzentrationsstörungen und Sekundenschlaf mit dramatischen Folgen für Leib und Leben rechnen. Hier gebe es eine politische Verantwortung, vor der die inzwischen sprichwörtliche Dummheit, die auch die Coronakrise offenbare, keinen Schutz biete.

Das Bundesverkehrsministerium, das weder Fachleute für Akustik noch für Lärm und dessen Gesundheitsfolgen beschäftige, maße sich mit der Zuständigkeit für Bahnlärm etwas an, dem es in keiner Weise entsprechen könne. Umweltministerium und Umweltbundesamt sowie das Bundesgesundheitsministerium und die Gesundheitsämter der Länder wären in Sachen Bahnlärm entmündigt worden und weder Physik und Medizin noch Recht und Gesetz spielten an Bahnlinien seither eine Rolle.

Damit sei noch einmal klar benannt, dass es ein politisches Problem sei, um das es hier gehe, denn der Gesetzgeber repräsentiere nicht nur die Industrie, sondern vor allem auch die Menschen. „Wir brauchen jetzt eine Bahn-Lärmschutzzone und werden alles daran setzen, diese europaweit zu etablieren“, sagt Gross.

Weitere Informationen bei Pro Rheintal, Frank Gross, Tel. 06742 8010690 oder info@pro-rheintal.de.

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