Start Aktuell Flughafen Hahn: Bruchlandung scheint nur eine Frage der Zeit

Flughafen Hahn: Bruchlandung scheint nur eine Frage der Zeit

Region. Im Oktober 2018 zeichnete der Rhein-Hunsrück-Anzeiger ein düsteres Bild von der Zukunft des Flughafens Hahn. Damals berichteten wir, dass der Billigflieger Ryanair einen Rückzug vom Flughafen Hahn plane und eine finale Bruchlandung des Flughafens mit rund 2.500 Beschäftigten drohe, die auch die Existenzen für Betriebe und Gewerbetreibende, die wirtschaftlich maßgeblich vom Flughafenverkehr abhängig sind, gefährden würde. Jetzt, rund zwei Jahre nach dieser RHA-Meldung, könnte das Horrorszenario Wirklichkeit werden.

Ryan Air 2

Die aktuelle Nachricht, dass der Billigflieger sich vom Hahn zum 1. November verabschieden will, kommt nicht wie damals von einem Informanten, sondern direkt vom Unternehmen Ryanair, das den betroffenen Piloten noch in dieser Woche die Kündigungen zukommen lassen will. Auch wenn es theoretisch noch Verhandlungen geben könnte, wird das Desaster für den Flughafen Hahn immer wahrscheinlicher. Fakt ist, dass auch Ryanair die durch die Corona-Pandemie ausgelösten wirtschaftlichen Turbulenzen zu spüren bekommt und auf die Marktlage reagieren muss.

Für einen gesunden Flughafen Hahn wäre der Ryanair-Rückzug zwar schlimm, nicht aber gefährlich. Doch der zivile Flughafen Hahn gilt als eine Art Dauerpatient, der sich in all den Jahren immer wieder Hoffnungen machte, dass sich das Passagiergeschäft und das Frachtgeschäft positiv entwickeln würden. Doch diese Hoffnungen erfüllten sich nicht. Die großen Erwartungen der chinesischen 175.000-Mitarbeiter starken HNA-Group, die im Jahr 2017 für rund 15 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz dessen 82,5 Prozent umfassenden Anteile gekauft hatte – 17, 5 Prozent gehören weiterhin Hessen – erwiesen sich als nicht realistisch. Frachtmengen und Passagierzahlen blieben weit hinter denen anderer Flughäfen zurück. Dass sich die Frachtmengen gerade während des laufenden Krisenjahrs von einem niedrigen Niveau aus positiv entwickeln werden, ist bestenfalls so etwas wie ein Funken Hoffnung für das engagierte Management auf dem Hunsrück. Zum Überleben in einer wirtschaftlichen Gewinnzone wird dies vermutlich nicht reichen.

Beim Flughafenbetreiber hatte man unter anderem darauf gesetzt, dass die Zahl chinesischer Touristen, die auf dem Hahn ankommen, deutlich ansteigen würde. Doch auch hier machte die Realität einen Strich durch das optimistische Bild. Von den ursprünglich geplanten drei bis vier Flügen pro Woche aus China war zuletzt keine Rede mehr. Und überhaupt: Während andere Flughäfen vor der Corona-Pandemie vom weltweiten Wachstum des Luftverkehrs profitierten und Zuwächse verzeichneten, kriselte es auf dem Hahn. Im Jahr 2019 sorgten 1,4 Millionen Passagiere für ein Minus von mehr als 30 Prozent.

Ohne Flieger mit Touristen aus China und ohne den europäischen Billigflieger Ryanair wird das für Flughäfen wie den Hahn existenziell wichtige Passagiergeschäft kaum ausreichend sein. Und selbst wenn sich das Frachtgeschäft wie zuletzt auch nach der Corona-Pandemie positiv entwickeln sollte, würde dies kaum zur Genesung des Patienten Flughafen Hahn beitragen. Denn Flughafeninsider wissen, dass sich mit Fracht deutlich weniger verdienen lässt als mit Passagierbetrieb.

Für den Flughafen Hahn ist das Prinzip Hoffnung derzeit das Wichtigste: Nur wenn die Pandemie möglichst schnell vorüber ist und der Flugtourismus sich dann möglichst schnell wieder dem Vor-Corona-Niveau annähert und der internationale Frachthandel wieder vollständig brummt, kann der Hunsrück-Airport erfolgreich sein. Der angekündigte Ryanair-Rückzug deutet darauf hin, dass die Krise schwerwiegend ist. Eine Bruchlandung des Flughafens scheint da nur eine Frage der Zeit zu sein.

Hier finden Sie eine Erklärung von Carina Konrad zur Schließung.

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