Region. Seit Wochen ist es viel zu trocken und durchschnittlich viel zu heiß. Sichtbare Folgen: Die Rheinpegel nähern sich historischen Tiefstständen, Wiesen sind braun, Ackerflächen staubig trocken und die Bäume der Wälder befinden sich erkennbar im für sie gefährlichen Dürrestress. Unsichtbare Folgen: Das, was nicht auf Anhieb zu sehen ist, könnte schon bald folgenreich zu spüren sein. Die Tatsache, dass fast überall der Grundwasserspiegel sinkt und die Quellen kleinerer Bäche versiegen, wird von Experten mit Sorgen registriert.
Bewusster Umgang wichtig
Noch ist es in unserer Region selbstverständlich, dass wir Wasserhähne aufdrehen und unser Trinkwasser zum Duschen, Kochen, für Wasch- und Spülmaschinen und zum Sprengen unserer Gärten verwenden. Auch wenn in Boppard und dem Kreisgebiet die Versorgung durch den RheinHunsrück Wasser Zweckverband in der aktuellen Dürrephase sehr gut gewährleistet wird, da dieser das Trinkwasser aus Tiefbrunnen im noch wasserreichen Neuwieder Becken gewinnt, wird Wasser zu einem kostbaren Gut. Wie in vielen Teilen der Welt müssen wir lernen, mit Wasser sorgsam und bewusst umzugehen. Bis jetzt gibt es außer dem Appell, mit Trinkwasser sparsam umzugehen, keine Einschränkungen. Allerdings hat der Rhein-Hunsrück-Kreis eine Verfügung erlassen, die die Wasserentnahme aus Bächen und Flüssen bis auf wenige Ausnahmen strikt untersagt.
Rhein geht das Wasser aus
Wer auf der B9 von Boppard in Richtung Bingen fährt, sieht breite Sand- und Kiesstrände und immer wieder kleinere „Inselchen“ und Felsen, die aus dem Wasser ragen. Für die Rheinschifffahrt werden die anhaltend niedrigen Pegelstände zunehmend zu einem Problem. Die Fahrrinne wird immer flacher, Güterschiffe könnten deshalb teilweise nur noch weniger als ein Drittel laden. Auch die Mitarbeiter in den Häfen in Koblenz, Andernach und Neuwied sind extrem gefordert, um die Arbeiten unter schwierigen Bedingungen zu leisten.
Die Transportkosten werden aktuell immer teurer, mit fatalen Folgen für Wirtschaft und letztlich Verbraucher. Da das Niedrigwasser seit Jahren zu einem immer größeren Problem wird, hat die Politik die sogenannte „Abladeoptimierung der Fahrrinne“ am Mittelrhein auf den Weg gebracht und im Bundesverkehrswegeplan 2030 verankert.
Die Kosten sind gigantisch: Laut Bundesverkehrswegeplan belaufen sie sich auf 60,2 Millionen Euro, doch in den Expertenkreisen in Berlin geht man bereits von deutlich höheren Ausgaben für das Projekt aus. Außerdem gibt es erhebliche Kritik von Umwelt- und Naturschützern an dem Vorhaben. Da der Rhein im Zuge des Klimawandels immer weniger Zufluss aus der Alpenregion bekommt, wird es in Hitze- und Dürrephasen zu wenig Wasser geben. Tiefere Fahrrinnen ändern nichts an der Wasserknappheit, führen aber dazu, dass sich das Wasser aus ufernahen Bereichen zurückzieht. Für das empfindliche Ökosystem nicht ungefährlich. Außerdem dürfte bei Niedrigwasserständen der Anblick des Rheins für Anwohner und Touristen nicht mehr der gewohnte sein.
Pegel auf Rekordkurs
Die Pegelstände nähern sich historischen Tiefständen. Bei Redaktionsschluss war der Pegel Kaub mit 29 Zentimetern knapp über dem Allzeittief von 25 Zentimetern im Jahr 2018. Und auch in Koblenz betrug er nur noch 25 Zentimeter. Der aus einer „anderen Zeit“ stammende Wert von sechs Zentimetern wurde im Februar 1929 registriert. Nach einer neuerlichen kurzen Hitzeperiode in dieser Woche könnten Gewitter für eine zumindest kurzfrostige Besserung der Niedrigwasser-Situation sorgen. Doch die Meteorologen sind zurückhaltend mit Prognosen. Möglich, dass auch die Monate August und September zu trocken sein werden. Das wäre für die Rheinschifffahrt alles andere als gut. Auch die Natur würde weiter dürsten, zudem würde die Waldbrandgefahr weiter zunehmen.

























