Von der Weser an den Rhein, wir holen den Wilhelmbecher wie­der heim

St. Goar. Mit die­sem Aufruf been­de­te der Zeremonienmeister Detlef Kahl sei­nen Festvortrag zur Eröffnung des Hansenfestes 2026 am Freitag im voll besetz­ten Hansensaal auf Burg Rheinfels. Zuvor wur­den die Gäste tra­di­tio­nell mit einem Glas Sekt im Burghof beim Fahnenhissen begrüßt. In sei­nem Festvortrag beleuch­te­te Detlef Kahl die Reisen des Wilhelmbechers aus dem Jahre 1591, sofern sie bis heu­te nach­voll­zieh­bar sind. Aber auch die Geschichte St. Goars, des Hansenordens selbst und der bei­den nicht mehr vor­han­de­nen Hansenbecher wur­den beleuch­tet. Im Anschluss an den Vortrag schlos­sen sich zahl­rei­che Gespräche an, die sich haupt­säch­lich um die Frage dreh­ten, wie es gelin­gen kann, den von einer Galerie ange­bo­te­nen Hansenbecher von 1591 wie­der nach St. Goar zu holen. 

Aufgrund der ein­ge­schränk­ten Schifffahrtsmöglichkeiten am Samstagmorgen muss­te kurz­fris­tig die Schifffahrt mit den aus­wär­ti­gen Hansen abge­sagt wer­den. Auf Maria Ruh wur­den die aus­wär­ti­gen Hansen und die wei­te­ren Freunde freund­lich begrüßt und mit einer Vesper ver­wöhnt. Der Ausblick auf die Loreley ent­schä­dig­te mehr als ein wenig über die aus­ge­fal­le­ne Schifffahrt hinweg.

Hansenfest in St. GoarDer Konvent, die Jahreshauptversammlung des Internationalen Hansenordens am Samstagnachmittag, konn­te zügig durch­ge­führt wer­den. Höhepunkt die­ses Konventes war die Ernennung des lang­jäh­ri­gen Hoteldirektors und Inhabers des Schlosshotels auf Burg Rheinfels, Gerd Ripp, zum Ehrenhansen. Ehrenhansenmeister Helmut Kwiczorowski hielt die Laudatio und hob die jahr­zehn­te­lan­ge Verbundenheit mit dem Hansenorden und den Einsatz für den Hansenorden beson­ders hervor. 

Dem Konvent folg­te zeit­nah die Aufnahme neu­er Hansenbrüder, Fremdlinge genannt.  Dieses alte Ritual, bei dem einem Fremdling das Halseisen um den Hals gelegt wird und er mit einer Wasser- oder Weintaufe in den Kreis der Hansenbrüder auf­ge­nom­men wird, hat eine jahr­hun­der­te­al­te Tradition und wur­de in die­sem Jahr erneut wegen der Bauarbeiten im Burginneren im Burghof durch­ge­führt. Jan Kramp Senior und Klaus Beeck fan­den so den Weg in die Gemeinschaft und erfreu­ten nicht nur das Publikum mit einer Wein- und einer Wassertaufe.

Am Abend begrüß­te der Hansenorden die Wilddiebe, nein, kei­ne Räuberbande, die den Hansenbecher steh­len woll­te, son­dern eine Musikgruppe aus dem Hunsrück, wel­che die Zuhörer bis weit in den Abend hin­ein zum Tanzen und Mitsingen bewe­gen konnte.

Den Sonntag began­nen die Hansen tra­di­tio­nell mit dem Gottesdienst in der Stiftskirche. Musikalisch beglei­tet von der MGV Werlau/Waldesch. Statt der übli­chen Predigt hat sich Pfarrer und Kustos Wolfgang Krammes ein Anspiel aus­ge­dacht. Bei die­sem klei­nen Schauspiel bespra­chen Ordensratsmitglieder die Arbeit im Hansenorden, die damit ver­bun­de­nen Probleme, aber auch die Motive, die jeder Einzelne mit­bringt, um sich in die­se Gemeinschaft ein­zu­brin­gen. „Gemeinschaft ent­steht dort, wo Menschen Verantwortung für­ein­an­der über­neh­men. Und so tra­gen die Hansenbrüder ihre Tradition mit Zuversicht in die Zukunft.“

Der Altbierfrühschoppen der Kommende Niederrhein fand in die­sem Jahr am Hansenplatz statt, beglei­tet vom Musikverein St. Goar im Zusammenspiel mit dem Musikverein Perscheid. Böllerschüsse kün­dig­ten dann auch die Vorbereitungen zum Umzug an. Der Hansemeister und die Fremdlinge wur­den abge­holt und auf den Marktplatz geführt, wo die Fremdlinge in Hexametern den Hansenbrüdern und dem Publikum vor­ge­stellt wurden. 

Die Zugteilnehmer wur­den dann vom Zeremonienmeister ein­zeln auf­ge­ru­fen und durf­ten sich dem Publikum kurz vor­stel­len. Eine bun­te Riege von Majestäten vom Mittelrhein, Vereinen und Vereinigungen aus Koblenz, Bitburg, vom Mittelrhein und die städ­ti­schen Vereine, der Weinkonvent zum Hl. Goar sowie die Schützengesellschaft 1344 St. Goar berei­cher­ten die­sen Umzug. Erstmals dabei waren Mitarbeiter der Bundesgartenschaugesellschaft Oberes Mittelrheintal 2029, die seit dem Frühjahr ihren Sitz in St. Goar hat, und Mitglieder des Kultur- und Weinbotschafter Mittelrhein, der sich erst­mals der Öffentlichkeit prä­sen­tier­te. Musikalisch beglei­tet wur­de der sich anschlie­ßen­de Umzug von den Musikfreunden aus St. Goar und Perscheid, die nach dem Umzug auch im Burghof aufspielten.

Bei schöns­tem Wetter wur­den dann drei wei­te­re Fremdlinge, Denis-Andrei Marinescu, Tobias Lippe und Benedikt Stüber, mit Hexametern vor­ge­stellt und in den Hansenorden auf­ge­nom­men. Alle drei ent­schie­den sich für eine Wassertaufe, und nicht weni­ge Zuschauer wünsch­ten sich, selbst am Halseisen zu ste­hen und mit dem küh­len Nass erfrischt zu werden.

Der Montag ist tra­di­tio­nell für den Frühschoppen mit Erbsensuppe reser­viert, die­ses Jahr wie­der auf der Terrasse des Schlosshotels. Die Hansenfamilie ver­ab­schie­de­te bei die­ser Gelegenheit die Hansenbrüder der Kommenden aus den USA, der Schweiz und vom Niederrhein.

Ein Ende fand das har­mo­ni­sche und fröh­li­che Hansenfest am Dienstagvormittag mit zahl­rei­chen Helfern, die bereits am frü­hen Morgen flei­ßig die Bühne abbau­ten, Stühle und Bänke ver­stau­ten und alle Arbeiten erle­dig­ten, die nach einem sol­chen Fest anste­hen. Nach dem Resteessen am Mittag gin­gen die Helfer zufrie­den nach Hause.