Nach Erinnerungen von Martin Pies – auf­ge­schrie­ben am 14. Mai 2026

Fleckertshöhe. Kurz nach unse­rer Heirat ent­schlos­sen wir uns, auf die Fleckertshöhe zu zie­hen. Dort stand das Wohnhaus, es leb­ten noch die Eltern mei­ner Frau, Stall und Scheune stan­den leer. Wir nah­men uns vor, zuerst in der Scheune eine Wohnmöglichkeit zu schaffen.

Eichenbaum Fleckertshöhe - Martin PiesAls ich anfing, im und um das Haus auf­zu­räu­men, stand auf einer Böschung kurz hin­ter der Scheune eine rund drei Meter hohe Hecke. Ich fing an, die­se abzu­ha­cken und aus­zu­gra­ben. Nach etli­chen Metern stand dort ein schön gewach­se­nes Eichen-Stämmchen, etwa arm­dick. Ich hat­te schon die Axt in der Hand, da dach­te ich halt. Dieses Stämmchen ist zu scha­de, lass es ste­hen.  Wir mach­ten unse­ren Umbau wei­ter und zogen ein. Unser Stämmchen wuchs schnell und kräf­tig weiter. 

Anfang der 1970er Jahre begann das Waldsterben, unser Eichenbäumchen war vier bis fünf Meter hoch. Augenscheinlich war es nicht gesund. 

In die­ser Zeit hat­te ich in Mainz einen Auftrag, in einer Büroetage neu­en Fußboden ein­zu­bau­en. Die Menschen waren irgend­wie wis­sen­schaft­lich beschäf­tigt, sie arbei­te­ten mit Landwirtschaft und Wald, jetzt auch mit Waldsterben. 

Eines Tages kam der Chef die­ser Abteilung, um unse­re Arbeit und den Fortlauf zu bespre­chen. Im Gespräch kam auch „Wo kommt ihr her?“ „Aus dem Hunsrück. Da ist ja auch viel Wald mit Waldsterben.“ Ich erzähl­te von mei­nem Eichenbäumchen und dass es krank aussah. 

Dieser Chef der Abteilung griff hin­ter sich und reich­te mir eine Ein-Liter-Blechdose. Er sag­te mir, ich sol­le im Wurzelbereich des Bäumchens mit einem Eisen cir­ca 40 Zentimeter tie­fe Löcher sto­ßen, die Flüssigkeit in der Dose mit etwa 50 Litern Wasser ver­dün­nen und in die Löcher ver­tei­len. Dies habe ich dann auch direkt abends aus­ge­führt. Das Eichenbäumchen erhol­te sich zuse­hends und schnell und wuchs kräf­tig weiter. 

Irgendwann spä­ter ent­deck­te ich am Wurzelhals eine fau­le Stelle. Ich schnitt mit einem schar­fen Messer 20 bis 40 Zentimeter Rinde bis ins gesun­de Holz ab und stemm­te mit einem Stemmeisen das sicht­bar ver­färb­te Holz aus. Ich bestrich die Wunde mit Baumwachs und brach­te licht- und luft­durch­läs­si­gen Schutz an. 

Nach einem Jahr konn­te man sehen, dass die Rinde von vier Seiten anfing, über der Wunde zuzu­wach­sen. Nach vier Jahren war von die­ser Wunde nichts mehr zu sehen.

Heute hat die­ses Bäumchen einen Kronendurchmesser von rund 14 Metern und eine Höhe von gut 8 Metern und einen Stimmumfang von etwa 2,40 Metern. Ich wün­sche, dass die­ser Baum noch Jahre wei­ter­wächst und wei­te­ren Generationen Schatten spen­det und Freude bereitet.