Gemeinsam durch Engpässe

Dörth. Woher unser Trinkwasser kommt, ist für vie­le Menschen mehr als eine tech­ni­sche Frage. Wasser hat Herkunft, Geschmack und Geschichte. Gerade im Hunsrück ist die­se Verbindung beson­ders stark. Gleichzeitig zeigt sich immer deut­li­cher, dass sich die Realität der Wasserversorgung verändert.

Längere Trockenphasen, sin­ken­de Grundwasserneubildung und stei­gen­de Verbrauchsspitzen gehö­ren inzwi­schen vie­ler­orts zur neu­en Normalität. Für Wasserversorger bedeu­tet das: Es reicht längst nicht mehr aus, Wasser ein­fach nur zu för­dern und zu ver­tei­len. Moderne Versorgung muss Reserven schaf­fen, Netze intel­li­gent ver­bin­den und auch in außer­ge­wöhn­li­chen Situationen sta­bil funktionieren.

WasserDer Zweckverband RheinHunsrück Wasser ist his­to­risch aus genau die­ser Herausforderung ent­stan­den: Weil im Hunsrück Wasserknappheit herrsch­te, muss­ten neue Lösungen gefun­den wer­den. Deshalb ent­stand der Zweckverband, der sein Trinkwasser aus dem was­ser­rei­chen Neuwieder Becken gewinnt. Die eige­nen Ressourcen sichern die Versorgung der Region lang­fris­tig und zuver­läs­sig. Verbundleitungen zu benach­bar­ten Versorgern die­nen des­halb vor­wie­gend dazu, ande­re Systeme in beson­de­ren Situationen zu unter­stüt­zen – etwa bei Trockenheit, tech­ni­schen Ausfällen oder extre­men Verbrauchsspitzen. Sie sind als Absicherung für den Notfall gedacht.

Ein Modell, das Schule macht: Verbundlösungen schaf­fen die Möglichkeit, dass sich benach­bar­te Versorger gegen­sei­tig unter­stüt­zen kön­nen, wenn ein­zel­ne Systeme an ihre Grenzen gera­ten. Es geht dabei nicht um Konkurrenz zwi­schen Wasservorkommen, son­dern um Versorgungssicherheit für die Bürger.

„Die Wasserversorgung der Zukunft ent­steht nicht mehr iso­liert inner­halb ein­zel­ner Grenzen. Entscheidend ist, dass wir regio­na­le Stärken intel­li­gent mit­ein­an­der ver­bin­den, um auch in tro­cke­nen Sommern dau­er­haft Versorgungssicherheit gewähr­leis­ten zu kön­nen“, erklärt Steffen Liehr, Werkleiter von RheinHunsrück Wasser.

Dass sol­che Kooperationen funk­tio­nie­ren, zeigt der Blick in die Region: Mit Rheinböllen oder Kirchberg bestehen bereits erfolg­rei­che Verbundlösungen, die sich seit Jahren bewährt haben. Sie sor­gen dafür, dass die Versorgung auch dann sta­bil bleibt, wenn ein­zel­ne Bereiche zusätz­lich belas­tet werden.

Fest steht dabei: Trinkwasser in Deutschland gehört zu den am strengs­ten kon­trol­lier­ten Lebensmitteln über­haupt. Die Anforderungen der Trinkwasserverordnung sind hoch. Zusätzlich erfol­gen regel­mä­ßi­ge Kontrollen durch unab­hän­gi­ge Labore und Gesundheitsbehörden.

Das von RheinHunsrück Wasser gelie­fer­te Trinkwasser ist mine­ral­stoff­reich und ver­gleichs­wei­se hart. Enthaltene Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium gel­ten gesund­heit­lich als posi­tiv. Der oft dis­ku­tier­te „Kalk“ betrifft des­halb haupt­säch­lich tech­ni­sche Aspekte wie Haushaltsgeräte oder Armaturen – nicht jedoch die Qualität oder Sicherheit des Trinkwassers. Gleichzeitig lie­gen Werte wie Nitrat deut­lich unter den gesetz­li­chen Grenzwerten.

Entscheidend ist des­halb nicht allein die Herkunft des Wassers, son­dern die Stabilität des gesam­ten Versorgungssystems. Gerade in tro­cke­nen Sommern zeigt sich, wie wich­tig die­se Gesamtsicht gewor­den ist. Wenn enor­me Mengen Wasser benö­tigt wer­den, Löschwasserreserven bereit­ste­hen müs­sen oder tech­ni­sche Störungen auf­tre­ten, braucht die Versorgung funk­tio­nie­ren­de Infrastruktur und star­ke Partner.

Die Verbundlösungen sind des­halb kei­ne Komfortmaßnahme, son­dern im Ernstfall eine wich­ti­ge Absicherung, damit Regionen auch in schwie­ri­gen Situationen zuver­läs­sig mit Trinkwasser ver­sorgt wer­den kön­nen. Oder anders gesagt: Sie ver­hin­dern im Zweifel, dass buch­stäb­lich „der Hahn tro­cken bleibt“.

„Kooperationen zwi­schen Wasserversorgern sind heu­te kein Zeichen von Schwäche, son­dern Ausdruck moder­ner und ver­ant­wor­tungs­vol­ler Infrastrukturplanung“, ergänzt Leif Lorscheider, Vorstand der VG-Werke Rheinböllen-Simmern AöR.

Die Wasserversorgung der Zukunft wird des­halb stär­ker auf Zusammenarbeit set­zen müs­sen – damit auch in hei­ßen Sommern und tro­cke­nen Jahren wei­ter­hin zuver­läs­sig gutes Trinkwasser aus dem Hahn kommt.