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Leserbrief zu den Wahlen

Bezug nehmend auf die seit geraumer Zeit allenthalben zu sehender Wahlpropaganda in jeglicher Form muss ich doch einmal Folgendes vorbringen.

Wir befinden uns zurzeit in einem Superwahljahr. Beginnend mit Bürgermeisterwahlen, Kommunalwahlen wie auch in naher Zukunft Wahlen auf Landes- und Bundesebene. Natürlich kommt man nicht umhin alle gefühlte zehn Meter an irgendeinem Plakat vorbei, auf welchem man von allen möglichen Bewerbern und Personen angestrahlt wird. Das Gleiche findet man in jeder Zeitschrift.

So weit, so gut. Der eine mag sich politisch engagieren und interessieren, der andere nicht. Alles und jeder hat diesbezüglich in unserer Demokratie natürlich seine Berechtigung, keine Frage.

Mit Blick auf die derzeitig stattfindende Pandemie mit allen erdenklichen Einschränkungen finde ich es persönlich jedoch schon als eine Frechheit, möglichst viel „Wahlvolk“ zum Gang an die Wahlurne zu bewegen. Natürlich hat jeder die Möglichkeit einer Briefwahl, ok.

Kann man sich jedoch in dieser schweren Zeit nicht ausschließlich auf eine Briefwahl beschränken und verständigen? Ist es unbedingt notwendig, an jeder Ecke Wahllokale zu öffnen, Wahlhelfer und Wähler zu gefährden, nur zum Zweck, dass jeder seinen angestrebten Posten und die gewünschte Position bekommt?

In vielen Bereichen ist sämtlicher Kontakt bei Strafe noch untersagt. Friseure, gastronomische Betriebe, Künstler mit allen damit zusammenhängenden Gewerben und Gewerken, verschiedene Soloselbstständige und diverse kleine Betriebe können und dürfen nicht tätig werden. Wie viele von ihnen stehen bereits weinend und verzweifelt vor ihrer zerschmetterten Existenz und wissen nicht mehr aus noch ein.

Hilfen werden staatlicherseits versprochen, ja sogar „erweitert“, kommen jedoch bis dato nicht an, wie allgemein bekannt. Sogar die meisten Novemberhilfen stehen immer noch aus und bräuchten jetzt eigentlich nicht mehr ausgezahlt werden, weil es sehr viele der verzweifelt hilfesuchenden Antragsteller gar nicht mehr gibt.

Ich glaube kaum, dass in den zuvor genannten Bereichen schlechtere Schutzmaßnahmen möglich wären als in diversen Wahllokalen. Aber, wie bereits gesagt, jegliche Tätigkeit ist verboten und somit, auf Existenz gesehen, vielfach zum Tode verurteilt oder bereits schon gestorben. Aber zu den Wahlen ist es auf einmal möglich, mehrere Personen zusammenkommen zu  lassen, nur um heiß begehrte Posten zu verteilen.

Wie unmoralisch ist das denn? Solidarität mit vielen zerstörten Existenzen? Keine Spur. Wird hier nicht zum reinen Eigennutz mit zweierlei Maß gemessen?

Wie bereits gesagt – Briefwahl ok. Aber in diesen Zeiten ein Urnengang? Muss das sein und könnte man da nicht mehr Feingefühl erwarten?

Es grüßt

Stefan de Kunder, St. Goar

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