Region. Der heißeste und trockenste Sommer aller Zeiten wird – wenn er mal vorüber ist – noch lange nachwirken. Die wirtschaftlichen und ökologischen Schäden sind enorm. Die Rheinschifffahrt kommt wegen Rekordniedrigwasser aktuell teilweise zum Erliegen. Reedereien mit Fracht- und Personenschiffen, Industrie, aber auch regionale Unternehmen bis zum Einzelhandel werden gestörte Lieferketten und höhere Transportkosten zu spüren bekommen. Auch Axel Henke, Leiter des Fortsamtes Boppard, und sein Kollege Johannes Nass sehen sich tief besorgt.
Ökosystem massiv geschädigt
Das Ökosystem Wald wird schwer geschädigt in den Winter gehen. „Es ist alles viel schlimmer, als ich es befürchtet habe. Unsere Waldvegetation ist massiv geschädigt“, sagt Henke gegenüber dem RHA. „Unsere geschlossenen Waldflächen werden sich durch flächiges Absterben zu lichten Wäldern entwickeln, mit Auswirkungen auf das Waldklima“, redet Henke nichts schön. Ein düsteres Bild: Die Buchen sind schon jetzt verbraunt, die gestressten Bäume werfen nach einer Notmast ihre Blätter seit Ende Juli ab. „Die Hüllen der Bucheckern sind groß, aber leer. Die Bäume haben die Samenproduktion nicht mehr geschafft“, sagt Axel Henke. Kein Wunder bei dem extremen Wassermangel. „Eine ausgewachsene Buche benötigt mehrere Hundert Liter Wasser pro Tag“, so Johannes Nass von der Forstamtsleitung. Nach monatelanger Trockenheit sind die Wasserleitbahnen nicht mehr ausreichend versorgt, das Holz stirbt ab und selbst große Äste brechen plötzlich ab. „Dies ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr für alle Waldbesucher“, mahnt Axel Henke äußerste Vorsicht an.
Waldbrandgefahr groß
Fakt ist auch, dass aktuell eine enorme Gefahr für das Auslösen von Waldbränden besteht. Mäharbeiten, aus dem Autofenster herausgeworfene Zigarettenkippen und Funkenflug könnten dem schwer gebeutelten Wald ein Horrorszenario bescheren. Eine Allgemeinverfügung, die zumindest vorübergehend Grillplätze sperrt, ist bis dato noch nicht formuliert worden. Deshalb ist freiwillige Vernunft notwendig: Ein Grillverzicht ist sicherlich verkraftbar.
Schifffahrt droht Unterbrechung
Am Montagabend hat die Fähre Kaub bei einem Pegelstand von nur noch 15 Zentimetern ihren Betrieb vorübergehend eingestellt. Auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt geht davon aus, dass bei einem noch weiter sinkenden Pegel in Kaub und Koblenz bald keine Schifffahrt, zumindest in diesem Bereich, mehr möglich sein wird. Die wirtschaftlich enorm wichtige Verbindung zwischen der Schweiz und den Häfen in Duisburg, Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen wäre dann unterbrochen.
Ab kommendem Wochenende soll es mit der Hitze vorbei sein, kühleres Schauerwetter ist vorhergesagt. Bis dahin werden die Pegel in Kaub und Koblenz weiter sinken, in Koblenz wurde bereits am Mittwoch die eigentlich „einzementierte“ Marke aus dem August 1929 mit vier Zentimetern unterschritten. Und in Kaub registriert man derzeit fast täglich neue Minusrekorde, sogar ein einstelliger Pegelstand erscheint mittlerweile möglich.
Preissteigerungen
Das Schifffahrtsdesaster sorgt für Preissteigerungen bei Energie und Endprodukten, die jeder Bürger zu spüren bekommt. Das Fernbleiben von Hotel- und Personenschiffen spiegelt sich auch sichtbar in der Bopparder Innenstadt wider. Die Landgänge der Touristen werden in Gastronomie und Einzelhandel vermisst und belasten auch alle Zulieferer spürbar.

























