Region. Der hei­ßes­te und tro­ckens­te Sommer aller Zeiten wird – wenn er mal vor­über ist – noch lan­ge nach­wir­ken. Die wirt­schaft­li­chen und öko­lo­gi­schen Schäden sind enorm. Die Rheinschifffahrt kommt wegen Rekordniedrigwasser aktu­ell teil­wei­se zum Erliegen. Reedereien mit Fracht- und Personenschiffen, Industrie, aber auch regio­na­le Unternehmen bis zum Einzelhandel wer­den gestör­te Lieferketten und höhe­re Transportkosten zu spü­ren bekom­men. Auch Axel Henke, Leiter des Fortsamtes Boppard, und sein Kollege Johannes Nass sehen sich tief besorgt.

Ökosystem mas­siv geschädigt
Laub auf den Waldwegen und herbstlich gefärbte Baum schon im AugustDas Ökosystem Wald wird schwer geschä­digt in den Winter gehen. „Es ist alles viel schlim­mer, als ich es befürch­tet habe. Unsere Waldvegetation ist mas­siv geschä­digt“, sagt Henke gegen­über dem RHA. „Unsere geschlos­se­nen Waldflächen wer­den sich durch flä­chi­ges Absterben zu lich­ten Wäldern ent­wi­ckeln, mit Auswirkungen auf das Waldklima“, redet Henke nichts schön. Ein düs­te­res Bild: Die Buchen sind schon jetzt ver­braunt, die gestress­ten Bäume wer­fen nach einer Notmast ihre Blätter seit Ende Juli ab. „Die Hüllen der Bucheckern sind groß, aber leer. Die Bäume haben die Samenproduktion nicht mehr geschafft“, sagt Axel Henke. Kein Wunder bei dem extre­men Wassermangel. „Eine aus­ge­wach­se­ne Buche benö­tigt meh­re­re Hundert Liter Wasser pro Tag“, so Johannes Nass von der Forstamtsleitung. Nach mona­te­lan­ger Trockenheit sind die Wasserleitbahnen nicht mehr aus­rei­chend ver­sorgt, das Holz stirbt ab und selbst gro­ße Äste bre­chen plötz­lich ab. „Dies ist eine nicht zu unter­schät­zen­de Gefahr für alle Waldbesucher“, mahnt Axel Henke äußers­te Vorsicht an.

Waldbrandgefahr groß
Fakt ist auch, dass aktu­ell eine enor­me Gefahr für das Auslösen von Waldbränden besteht. Mäharbeiten, aus dem Autofenster her­aus­ge­wor­fe­ne Zigarettenkippen und Funkenflug könn­ten dem schwer gebeu­tel­ten Wald ein Horrorszenario besche­ren. Eine Allgemeinverfügung, die zumin­dest vor­über­ge­hend Grillplätze sperrt, ist bis dato noch nicht for­mu­liert wor­den. Deshalb ist frei­wil­li­ge Vernunft not­wen­dig: Ein Grillverzicht ist sicher­lich verkraftbar.

Schifffahrt droht Unterbrechung
Extremes Niedrigwasser gefährtet die Schifffahrt auf dem RheinAm Montagabend hat die Fähre Kaub bei einem Pegelstand von nur noch 15 Zentimetern ihren Betrieb vor­über­ge­hend ein­ge­stellt. Auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt geht davon aus, dass bei einem noch wei­ter sin­ken­den Pegel in Kaub und Koblenz bald kei­ne Schifffahrt, zumin­dest in die­sem Bereich, mehr mög­lich sein wird. Die wirt­schaft­lich enorm wich­ti­ge Verbindung zwi­schen der Schweiz und den Häfen in Duisburg, Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen wäre dann unterbrochen.

Ab kom­men­dem Wochenende soll es mit der Hitze vor­bei sein, küh­le­res Schauerwetter ist vor­her­ge­sagt. Bis dahin wer­den die Pegel in Kaub und Koblenz wei­ter sin­ken, in Koblenz wur­de bereits am Mittwoch die eigent­lich „ein­ze­men­tier­te“ Marke aus dem August 1929 mit vier Zentimetern unter­schrit­ten. Und in Kaub regis­triert man der­zeit fast täg­lich neue Minusrekorde, sogar ein ein­stel­li­ger Pegelstand erscheint mitt­ler­wei­le möglich.

Preissteigerungen
Das Schifffahrtsdesaster sorgt für Preissteigerungen bei Energie und Endprodukten, die jeder Bürger zu spü­ren bekommt. Das Fernbleiben von Hotel- und Personenschiffen spie­gelt sich auch sicht­bar in der Bopparder Innenstadt wider. Die Landgänge der Touristen wer­den in Gastronomie und Einzelhandel ver­misst und belas­ten auch alle Zulieferer spürbar.