Mittelrhein. Es ist alles ande­re als erfreu­lich, dass Medien welt­weit über das Niedrigwasser im Rhein und spe­zi­ell am Mittelrhein berich­ten. Denn die­se Aufmerksamkeit zeigt, dass die Lage mehr als ernst ist.

Seit Monaten sind die Pegel extrem nied­rig, seit Monaten kön­nen Frachtschiffe nur mit stark redu­zier­ten Ladungen die bedeu­ten­de Schifffahrtsstraße befah­ren. Die wirt­schaft­li­chen Schäden sind enorm. Auch wenn es jetzt eini­ge teil­wei­se ergie­bi­ge Niederschläge geben soll, die die Lage zumin­dest vor­über­ge­hend ver­bes­sern: Zumindest bis Ende Oktober wird Niedrigwasser nach Einschätzung vie­ler Experten noch ein Thema sein.

In die­ser Woche regis­trier­te man in Kaub (minus 2) und in Koblenz (minus 6) die nied­rigs­ten Pegelstände aller Zeiten. Der Fährbetreiber in Kaub muss­te erneut pas­sen und den Betrieb ein­stel­len. Bei weni­ger als 15 Zentimetern geht selbst für den erfah­re­nen Fährmann nichts mehr. Frachtschiffe sah man in der Woche nur noch ver­ein­zelt die Engstelle unter­halb der Loreley passieren.

Niedrigwasser am MittelrheinFür Berufs- und Hobbyfotografen bie­tet das extre­me Niedrigwasser spek­ta­ku­lä­re Motive. Überall „tau­chen“ Felsen und rie­si­ge Sandbänke auf. Auch im Mittelrheinabschnitt zwi­schen Koblenz und Bonn gleicht der Rhein immer mehr Flüssen, wie man sie bis­her nur in Sommern in Spanien und Italien gese­hen hat: aus­ge­trock­ne­te Uferzonen, fast unschiff­ba­re Häfen und Anlegestellen und „Inseln“, auf denen bereits Wiesen und diver­se Pflanzen wach­sen. Hochwassermarken an Häusern und Brücken wir­ken der­zeit unvor­stell­bar, so gewal­tig nied­rig fließt der Rhein dahin.

Natürlich wird immer wie­der über das unfass­bar teu­re Millionenprojekt Abladeoptimierung gespro­chen, das bei Realisierung der Berufsschifffahrt zumin­dest bei mode­ra­tem Niedrigwasser hel­fen wür­de. Doch unge­ach­tet der Umweltauswirkungen auf Uferzonen bleibt es auch bei einer Vertiefung der Fahrrinne dabei, dass dem Rhein immer öfter schlicht­weg Wasser fehlt.

Der Zufluss aus Gletschern und Schneeschmelzen wird immer gerin­ger, Trockenperioden und Hitzephasen neh­men zu. Eine Kombination, die wohl dau­er­haft dem Rhein zu schaf­fen machen wird.

Um die Schifffahrt dau­er­haft zu gewähr­leis­ten, wären wahr­schein­lich die Planung und der Bau von Staustufen sinn­vol­ler als eine Fahrrinnenvertiefung. In der Schweiz und in Frankreich exis­tie­ren sie bereits, die letz­te in Deutschland steht in Iffezheim bei Rheinkilometer 334. Ob die Politik aller­dings in der Lage und bereit ist, von ihren „Optimierungsplänen“ auf Staustufen umzu­schwen­ken? Einige Logistik-Unternehmer jeden­falls spre­chen sich klar für den Bau von Staustufen aus.