Boppard. Gewaltexzesse und gefähr­li­che Körperverletzungen auf Straßen und öffent­li­chen Plätzen sind für Bürger immer beängs­ti­gend. In jüngs­ter Zeit hal­ten sich hart­nä­ckig Gerüchte über eine Zunahme von Vorfällen in Boppard. Einige Leser hat­ten sich sogar an unse­re Zeitung gewandt mit der Bitte, wir soll­ten doch über die Zunahme von Schlägereien berich­ten. Auf Nachfrage bei der Polizeiinspektion Boppard erhiel­ten wir eine beru­hi­gen­de Antwort: Die Anzahl von soge­nann­ten gefähr­li­chen Körperverletzungen im öffent­li­chen Raum hat zuletzt im gro­ßen Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Boppard von Jahr zu Jahr abge­nom­men. Von 28 regis­trier­ten Fällen im Jahr 2024 sank die Zahl im ver­gan­ge­nen Jahr auf 19. „In Boppard muss man kei­ne Angst haben, sich drau­ßen zu bewe­gen“, sagt Andreas Wich-Glasen, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der PI Boppard, im Gespräch mit dem RHA.

Gut mög­lich, dass die Kluft zwi­schen sub­jek­tiv emp­fun­de­ner Gefahr und der objek­tiv weit­ge­hend siche­ren Situation in Boppard durch eine grö­ße­re Schlägerei in der Stadt im April zu erklä­ren ist. Damals gab es in der Tat auf offe­ner Straße einen grö­ße­ren Polizeieinsatz bei einer hef­ti­gen gewalt­tä­ti­gen Auseinandersetzung zwi­schen einer Junggesellenabschiedsgruppe und einer grö­ße­ren Familie. „Das war aber wirk­lich eine Ausnahme“, stellt Andreas Wich-Glasen klar. „Fast alle Auseinandersetzungen fin­den nicht in der Öffentlichkeit statt, son­dern spie­len sich im häus­li­chen Bereich ab“, so der erfah­re­ne Polizeibeamte. Die Klassiker sind hand­fes­te Konflikte inner­halb von Familien und in zer­rüt­te­ten Paarbeziehungen.

Ursachen, war­um Ängste und Gerüchte zuneh­men und fal­sche Bilder von der Realität ent­ste­hen, könn­ten in der bis­wei­len infla­tio­nä­ren Verbreitung von Bildern, Videos und „Nachrichten“ in den sozia­len Medien sein, die häu­fig ein nicht objek­ti­ves Bild von Ereignissen vermitteln. 

Gerüchte gibt es auch häu­fig nach Aufklärung von Straftaten. Ein Beispiel: Der Täter, der mit Reizgas bei einer Karnevalsveranstaltung in Spay meh­re­re Menschen ver­letzt hat, wur­de schnell ermit­telt. „Da pas­siert nichts“, „Typisch, die las­sen den sicher frei lau­fen“,  „Man hört nichts, da wird was ver­tuscht“ – immer wie­der hört man ähn­li­che Vorwürfe. Die Wahrheit ist, dass bei dem Täter das Jugendstrafrecht greift, bei dem der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht und das den Jugendlichen auch vor öffent­li­chen Angriffen schüt­zen will.