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Erschöpft im Homeoffice?

Erschöpft im Homeoffice?Koblenz. Am 12. Mai ist Tag des chronischen Erschöpfungssyndroms. Seit dem Jahr 1995 ist er als „International CFS/CFIDS/ME Awareness Day“ bekannt. Die Symptome des Syndroms sind vielfältig und teilweise dramatisch: schlechter und nicht erholsamer Schlaf, Kopfschmerzen, Herzprobleme, Halsschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und allgemeine Schwäche und Erschöpfung. 

Die aktuelle Situation der seit über einem Jahr andauernden Corona-Pandemie ist für sehr viele Menschen psychisch belastend. Dabei ist insbesondere die Kontaktvermeidung, der Wegfall der kulturellen Aktivitäten, die Einstellung der Vereinsarbeit und die Beschränkungen von Urlaubsreisen zu nennen. Darüber hinaus waren oder sind noch immer viele Menschen in Kurzarbeit oder haben aufgrund von Beschränkungen keine Möglichkeit ihren Beruf auszuüben. „Leider werden uns die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die  psychische Gesundheit noch länger beschäftigen“, so Stephan Wüst, Arbeitswissenschaftler des Unternehmerverbandes vem.die arbeitgeber.

Um der psychischen Belastung zu entgegnen ist jeder Einzelne, aber auch der Arbeitgeber mit seinen Führungskräften gefordert. Das gilt vor allem für die Arbeit im Betrieb, aber auch im Homeoffice sollte die psychische Belastung nicht unterschätzt werden. Neben vielen Vorteilen, die das Arbeiten von zu Hause bietet: nicht für alle Beschäftigten ist es gleichermaßen geeignet. Neben technischen Problemen, wie beispielsweise einer schlechten Internetverbindung und ungünstigen Platzverhältnissen, ist der fehlenden Kontakte zu den Kolleginnen und Kollegen, sowie die Überschneidung von Berufs- und Privatleben für manche Beschäftigte belastend.

„Es ist wichtig, dass die Führungskräfte aufmerksam sind und den Kontakt zu allen Beschäftigten im eigenen Team halten. Eine ehrliche Frage nach dem Wohlbefinden gibt Einblick wie gut jeder Einzelne mit der Situation zurechtkommt“, so Wüst weiter. „Zusätzlich sollten Sie darauf achten, dass die Beschäftigten zu Hause regelmäßige Pausen machen und die E-Mails spätabends eher die Ausnahme als die Regel bilden“. 

Die neue Art der Führung stellt viele Führungskräfte vor Herausforderungen, zum Schutz der Beschäftigten ist sie dennoch wichtig. Wie lässt sich das auf die Ferne im Arbeitsalltag zwischen Online-Meetings und Telefonkonferenzen abbilden?

Ein paar Tipps für Führungskräfte

  • Vereinbaren Sie mit den Beschäftigten klare Ziele und Regeln der Erreichbarkeit: Sprechen Sie mit den Beschäftigten darüber, wann und wie häufig sinnvollerweise über Aufgaben und Ziele geredet wird, um die persönlich empfundene Grenze zwischen Vertrauen und Kontrolle auszuloten.
  • Vermitteln Sie Sinn und Zweck einer Aufgabe, damit den Beschäftigten klar ist, warum die Aufgabe wichtig ist.  
  • Geben Sie Orientierung durch gemeinsam definierte Ergebnisse oder Kennzahlen statt durch Arbeitszeit: Was Sie erreichen wollen, können Sie vorgeben; was erreicht wurde, können Sie real abgleichen.
  • Geben Sie dabei einen entsprechenden Handlungsspielraum für das Wie: Lassen Sie Ihre Beschäftigten zum Beispiel, wenn möglich, frei wählen, wann sie eine Aufgabe bearbeiten oder welche Unterstützung sie hierfür hinzuziehen möchten.
  • Geben Sie regelmäßiges Feedback. Schenken Sie Ihren Beschäftigten die nötige Aufmerksamkeit und erkennen Sie deren Leistung und Arbeitsergebnisse an. Gehen Sie auf die Sorgen und Ängste Ihrer Beschäftigten ein.
  • Fördern Sie den Austausch innerhalb des Teams. Gelegentliche virtuelle Mittagspausen bieten Gelegenheit zum Smalltalk.
  • Gestalten Sie eine ausgewogene Mischung von „Homeoffice“ und Präsenzarbeit.
  • Fördern Sie das Selbstmanagement und die Eigenverantwortung Ihrer Beschäftigten.

Doch neben den Führungskräften in den Unternehmen darf die Eigenverantwortung der Beschäftigten nicht fehlen. Eine Balance zwischen Privat- und Arbeitsleben ist wichtig. „Jeder Einzelne zu Hause sollte darauf achten genug Ausgleich und Pausen zu schaffen, damit Raum für Entspannung bleibt“, so Wüst.

Das kann man konkret tun

  • Strukturieren Sie Ihren Arbeitstag, vermeiden Sie ständige Ablenkung.
  • Machen Sie bewusst Pausen, nutzen Sie die Pausenzeit auch für etwas Bewegung an der frischen Luft.
  • Entwickeln Sie Ihre digitalen Kompetenzen weiter.
  • Nutzen Sie die vielfältigen Kommunikationskanäle, um mit Kollegen und Freunden in Kontakt zu bleiben.
  • Achten Sie auf eine sinnvolle Trennung zwischen Privatleben und Arbeit.
  • Geben Sie Feedback, sprechen Sie Probleme bei Kollegen und Vorgesetzten offen an.
  • Achten Sie auf eine gute Ergonomie im Homeoffice, bauen Sie Bewegungspausen in Ihren Alltag ein.

Die Pandemie hat uns in den letzten Monaten stark gefordert, das gilt vor allem für unsere Psyche. Damit die Arbeit von zu Hause nicht zur chronischen Erschöpfung führt, sind Balance und Achtsamkeit wichtig. Auch nach Corona wird ein Mix zwischen Präsenz- und Heimarbeit bestehen bleiben. Die Vorteile sind für die Unternehmen als auch Beschäftigten klar erkennbar. „Die Arbeitswelt wandelt sich gerade. Die hybride Arbeitsform wird bleiben, daher verlieren die Tipps nicht an Aktualität. Nur wenige Unternehmen werden zur alten Arbeitsweise zurückkehren“, so Stephan Wüst abschließend. 

Weitere Infos bei Stephan Wüst von vem.die arbeitgeber.

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