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Biotoppflegearbeiten in der Halboffenen Weidelandschaft Bischofshub

Biotoppflegearbeiten in der Halboffenen Weidelandschaft BischofshubOberdiebach. Seit über zehn Jahren beweidet die GNOR mit ihren Exmoor-Ponys und mittlerweile auch mit Ziegen eines befreundeten Ziegenhalters die ehemaligen Weinbergflächen am Bischofshub bei Oberdiebach. In kleineren und größeren Aktionen hat die GNOR immer wieder Flächen am Bischofshub freigestellt und undurchdringlich dichte und artenarme Brombeergebüsche, die von den Pferden und Ziegen gemieden wurden, beseitigt. Bei solchen Aktionen kommen auch immer wieder alte Drahtanlagen der ehemaligen Weinberge zum Vorschein, die dann beseitigt werden können. Die entbuschten Flächen werden von den Pferden und Ziegen schnell als Nahrungsflächen angenommen.

Biotoppflegearbeiten in der Halboffenen Weidelandschaft BischofshubAn den frei stehenden Bäumen, die bewusst stehen gelassen werden, fressen insbesondere auch Pferde die nahrhafte Rinde. Diese ist im Winter eine willkommene Ergänzung der Nahrung, neben dem Heu welches den Tieren zu gefüttert wird. Sind die Bäume nahezu vollständig „geschält“, wird die Baumkrone immer lichter und der Baum stirbt im Laufe der darauffolgenden Jahre vollständig ab. Er bildet als stehendes Totholz vielen Pilzen und auch Totholz bewohnenden Insekten neuen Lebensraum. Diese wiederum sind Nahrung für viele Vögel, auch für Spechte, wie beispielsweise dem seltenen Wendehals.

Zunächst nur Nahrungsbaum dient der absterbende Baum einigen Arten als Höhlenbaum für den eigenen Nachwuchs und später vielleicht als Unterschlupf für Fledermäuse oder andere Höhlenbewohner.

Biotoppflegearbeiten in der Halboffenen Weidelandschaft BischofshubDer massive Neuaustrieb der Brombeergebüsche wird durch Pferde und Ziegen als willkommene Nahrung angenommen und zurückgefressen. Auf den nun offenen Bodenflächen siedeln sich bereits in der darauffolgenden Vegetationsperiode neue licht- und wärmeliebenden Arten an, wie zum Beispiel unter den Heuschrecken die Blauflügelige Ödlandschrecke. Sie liebt die fast vegetationslosen Flächen und benötigt diese auch für die Eiablage. Auf eine gezielte Wiederbegrünung durch Ansaat der Flächen wird daher im Sinne einer natürlichen Besiedlung auch bewusst verzichtet. Zum einen besteht in Böden ein großes Samenpotential und die Weidetiere tragen außerdem über ihre Hufe, den Dung und über ihr Fell den Samen neuer Arten in die Flächen ein. So siedeln sich Arten an, die an den Standort angepasst sind.

Biotoppflegearbeiten in der Halboffenen Weidelandschaft BischofshubNeben dem Samenpotential ist der Dung der Weidetiere auch eine weitere wichtige Lebensgrundlage für dungbesiedelnde Algen, Pilze und Flechten sowie auch zahlreichen Arten von Dungfliegen und – Käfern und vielen weiteren Arten. Fledermäuse fressen beispielsweise die großen Mistkäfer. Auch Spitzmäuse, Mauereidechsen oder Schlingnattern die von den dungbewohnenden Tieren leben sind wiederum Nahrung für Vögel oder größere Säugetiere, wie der hier vorkommenden Wildkatze. So wird durch Freistellung und Beweidung eine ganze Nahrungspyramide angestoßen, die vielen, zum Teil sehr seltenen Pflanzen und Tieren wieder einen Lebensraum schafft und so hilft zu überleben.

Biotoppflegearbeiten in der Halboffenen Weidelandschaft Bischofshub

Bisher nur kleinflächig, ist es der GNOR in diesem Winter gelungen in dem 30 Hektar großen Areal, mit voller finanzieller Unterstützung der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, weitere acht Hektar von dichten Brombeergebüschen freizustellen für neuen Lebensraum für bedrohte Arten.

Die Halboffene Weidelandschaft Bischofshub bei Oberdiebach hat sich mittlerweile auch als ergiebiges Forschungsgebiet für die benachbarten Hochschulen in Bingen und Geisenheim etabliert. Studenten dieser, aber auch anderer Hochschulen finden hier gute Themen für ihre Forschungsarbeiten.

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