Start Regionales Rheinland-Pfalz 200 Jahre Landgericht Koblenz

200 Jahre Landgericht Koblenz

Koblenz. Am 1. August jährt sich die Gründung des Landgerichtes Koblenz zum 200. Mal. Bereits infolge der Befreiungskriege und dem Abschluss des Wiener Kongresses standen Koblenz und der Mittelrhein als Teile der Rheinprovinz unter preußischer Verwaltung. Im Zuge justizieller Umstrukturierung ist das Landgericht Koblenz – in der bis 1926 maßgeblichen Schreibweise „Coblenz“ – durch Kabinettsorder am 1. August 1820 zunächst für den linksrheinischen Teil des Regierungsbezirkes Koblenz gegründet worden und hat dabei unter anderem das Kreisgericht Koblenz ersetzt. Trotz dieser Umwälzungen ist der seit den Koalitionskriegen bestehende französische Einfluss auch in der Rechtsprechung noch lange erhalten geblieben. Insbesondere der von Napoleon (I.) eingeführte „Code civil“ sowie auch große Teile des Verfahrensrechts sind noch Jahrzehnte – mit großem Rückhalt in der Bevölkerung – weiter angewendet und teilweise erst durch das BGB im Jahre 1900 ersetzt worden. Das bis einschließlich 1843 von seinem ersten Präsidenten Joseph Wurzer geleitete Landgericht zeichnet sich unter anderem durch eine vom Tage seiner Gründung an bewegte Gebäudehistorie aus. Ein Umstand, der bis heute – wenn auch unter anderen Vorzeichen – anhält.

Heute ist das vom Präsidenten Stephan Rüll geleitete Landgericht mit 15 dem Bezirk zugehörigen Amtsgerichten, rund 80 unmittelbar beim Landgericht Dienst leistenden Richte und insgesamt rund 250 Mitarbeite das größte im Oberlandesgerichtsbezirk Koblenz sowie letztlich auch in ganz Rheinland-Pfalz. Seine örtliche Zuständigkeit erstreckt sich auf große Gebiete der angrenzenden Mittelgebirge Westerwald, Eifel, Taunus und Hunsrück bis Betzdorf und Bad Neuenahr-Ahrweiler im Norden, St. Goar im Süden, Mayen und Cochem im Westen sowie Diez und Betzdorf im Osten.

Mit seinen insgesamt 14 Zivil- und 15 Strafkammern zuzüglich weiterer (vier) Kammern für Handelssachen und zwei Strafvollstreckungskammern nimmt es wesentliche Aufgaben der Rechtspflege in dem großen Bezirk wahr. Dies wird bereits an den zahlreichen Spezialisierungen der Kammern ersichtlich, die teils insbesondere für Schwurgerichts-, Wirtschafts-, Staatsschutz- und Jugendstrafverfahren einerseits sowie Arzthaftungs-, Bau-, Versicherungs-, Bank- und Verkehrsunfallsachen besondere Zuständigkeiten innehaben. 

Auch in den letzten Jahren sind dementsprechend zahlreiche Prozesse mit dem Landgericht verbunden, die ein großes Interesse der Bevölkerung hervorgerufen haben und unter Überschriften wie dem „Missbrauchsdrama in Fluterschen“ und dem „Horchheimer Doppelmord“ Eingang in die überregionale Berichterstattung gefunden haben. Die unter anderem vom Landgericht Koblenz aufgearbeiteten Geschehnisse rund um den Nürburgring, den Flughafen Hahn, das Hohenzollern-Erbe auf Burg Rheinfels in St. Goar sowie derzeit die „Diesel-Verfahren“ sind von einer breiten Öffentlichkeit verfolgt worden. In der jüngeren Vergangenheit des Landgerichtes haben sich vor allem Groß- und Massenverfahren einerseits aber auch die Corona-Pandemie andererseits als neu zu bewältigende Herausforderungen gestellt.

So ist beispielsweise allein aufgrund der „Dieselskandal“-Geschehnisse beim Landgericht Koblenz ab 2017 eine vierstellige Anzahl an Verfahren eingegangen, im Rahmen derer Autokäufer Schadensersatz aufgrund angeblich von ihnen mit einer sogenannten Abschalteinrichtung zur Manipulation des Schadstoffausstoßes erworbener Kraftfahrzeugen geltend machen. Die Corona-Pandemie hat unter anderem mit dem Abstandsgebot, beschränkten Maskenpflichten und Maßnahmen zur Kontaktverfolgung bislang nicht gekannte Anforderungen an den vom Landgericht zu gewährleistenden Gesundheitsschutz mit sich gebracht. Durch die hohe Einsatzbereitschaft der teilweise im Homeoffice tätigen Mitarbeiter konnte trotz aller Erschwernisse jederzeit der grundgesetzlich garantierte Anspruch der rechtssuchenden Bürger auf effektiven und auch zeitnahen Rechtsschutz dennoch gewährleistet werden. Nicht zu verhindern war infolge der Pandemielage hingegen die Absage des bereits seit langem geplanten „Tages der offenen Tür“ zur Feier des Jubiläums. Stattdessen soll nunmehr durch diese Veröffentlichung hieran erinnert werden. Weitere Infos und Bilder des Landgerichts Koblenz unter www.lgko.justiz.rlp.de.

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