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„Elternpraktikum“ mit neun Schülerinnen der Realschule Marienberg

Boppard. Eigentlich hätte das Elternpraktikum mit den Schülern des Wahlpflichtfachs „Sozialpädagogik“ der bischöflichen Realschule Marienberg schon Anfang Februar stattfinden sollen. Aber der zweite Lockdown verhinderte dies. Frau Stoffel, Lehrerin des Wahlpflichtfaches, Ingrid Gundert von der Beratungsstelle donum vitae und Hermann Schmitt von der Jugendbegegnungsstätte (JBS) St. Michael waren schon damals optimistisch und verlegten das Praktikum auf Mitte Juni. Dieser Optimismus war berechtigt, denn durch die Lockerungen der Landesregierung für Schule und Jugendarbeit konnte das Praktikum im Corona-Jugendraum der JBS stattfinden. Gerne hätten wir auch Jungen in der Gruppe gehabt, aber es meldeten sich ausschließlich Mädchen aus dem Wahlpflichtfach an. Wichtig ist dem pädagogischen Team, dass sich die Jugendlichen freiwillig für die Zeit mit den Babysimulatoren von real care ® entscheiden.

Elternpraktikum Realschule MarienbergZiel des Elternpraktikums
Das Praktikum mit den „Babys“ dauerte drei Tage und zwei Nächte. Es ist Ziel dieses Projekts Jugendlichen ein Gefühl, eine Ahnung davon zu vermitteln, dass Babys nicht nur Spaß und Freude machen, sondern auch anstrengend sein können. Durch diese Erfahrungen möchte das Team die Jugendlichen motivieren genau zu überlegen, wann sie ein Kind bekommen wollen, welche Rahmenbedingungen für sie notwendig sind und wann sie sich der Situation gewachsen fühlen. Mit den Gedanken zu diesen Fragen soll die Verantwortung für die gelebte Sexualität gestärkt werden.

Diese außerschulischen Lernorte sind in den Ablauf des Faches Sozialpädagogik fest integriert. Die Damit dieses Praktikum gelingt müssen die Pädagogen den Jugendlichen sehr zugewandt sein, was diese mit folgenden Adjektiven in der Abschlussreflexion beschrieben: „Sehr lieb, verständnisvoll, hilfsbereit, immer freundlich, angenehme Aura der beiden, sehr offen, sympathisch, witzig, nette Menschen, gerne helfen, sehr liebevoll, immer für einen Spaß zu haben, interessiert.“

Doch, was ist das „Elternpraktikum“?
Jugendliche leben einige Zeit, hier rund 42 Stunden, mit einem Babysimulator, also einer Babypuppe, die die Bedürfnisse eines Babys nach Nahrung, Windelwechsel, Aufstoßen sowie Körperkontakt zu den Eltern simuliert und das Pflegeverhalten aufzeichnet. Die Jugendlichen erhalten ein Erkennungschip, durch den die Babypuppe „erkennt“, dass die „Eltern“ anwesend sind und einzelne Pflegemaßnahmen ausführen können. Die Puppe „verhält“ sich in Annäherung an ein echtes Baby, das heißt sie kann sich nur durch Laute und Schreien verständlich machen und erwartet auch nachts Zuwendung.

Wie verlief das Elternpraktikum?
Neben dem Erlernen der „Bedienung“ des Babysimulators ging es am ersten Tag auch um die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem eigenen Kinderwunsch und der Zukunftsplanung. Gegen 13 Uhr verließen, neun Jugendliche die JBS St. Michael als „Alleinerziehende“. Damit begann die Selbstlernphase. Nicht immer war es einfach als junger Mensch mit einem Baby in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein: „Leute draußen haben eher nur unfreundlich einen angestarrt.“

Der zweite Tag begann für die Schülerinnen mit einer Gesprächsrunde zu ihren Erfahrungen am ersten Tag und in der ersten Nacht mit dem Babysimulator. Anhand einer speziellen Puppe wurden die fatalen Auswirkungen auf das Gehirn des Säuglings dargestellt, wenn dieser geschüttelt wird. Mit den Schülerinnen diskutierte das Team über Verhaltensweisen, die eine Überforderungssituation lindern können. Abschließend wurde auf Schreiambulanzen hingewiesen, an die sich die Eltern wenden können. Als zweiter Punkt wurde anhand eines Films und einer Puppe, die die körperlichen Auswirkungen von Alkohol in der Schwangerschaft darstellt, über die negative Wirkung (fetales Alkoholsyndrom) auf den Fötus gesprochen. 

Der dritte Tag bildete den Abschluss des Projekts. Parallel zu den individuellen Auswertungsgesprächen mit den einzelnen Jugendlichen sahen die anderen den Film „Juno“, der einen Einblick in die Problematik, mit 16 Jahren schwanger zu sein, gab. Alle Schülerinnen bestanden das Praktikum mit Erfolg und erhielten neben der differenzierten Pflegeauswertung eine Teilnahmebescheinigung.

Weitere Infos bei Ingrid Gundert, boppard@donum.vitae.org oder bei Hermann Schmitt, jbs-boppard@rz-online.de.

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