Boppard. Der beherz­te Kampf gegen die seit Monaten dro­hen­de Schließung des Bopparder Krankenhauses Heilig Geist scheint erfolg­reich gewe­sen zu sein. Die Stadt Boppard jeden­falls ist bereit, sehr viel Geld zur Defizitübernahme des zum Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein (GKM) gehö­ren­den Hauses frei­zu­ma­chen. Das Ziel: Das Bopparder Krankenhaus soll künf­tig als soge­nann­te Regioklinik sei­nen fes­ten Platz in der regio­na­len medi­zi­ni­schen Grundversorgung haben.

Sitzung des Stadtrates Boppard - 23. FebruarDer Stadtrat hat am Montag, 23. Februar, auf Basis inten­si­ver Gespräche, die maß­geb­lich Bürgermeister Jörg Haseneier mit dem Koblenzer Oberbürgermeister David Langner als kom­mu­na­lem GKM-Gesellschafter geführt hat, sei­nen bis­he­ri­gen Beschluss erwei­tert. Nach einer kon­struk­ti­ven Fragerunde mit den anwe­sen­den Vertretern der GKM-Geschäftsführung, Alexandra Kiauk und Christian Straub, votier­te der Stadtrat erneut ein­stim­mig und setz­te damit ein star­kes Zeichen für den Krankenhausstandort.

Nach dem jetzt erwei­ter­ten Beschluss wird die Stadt nicht nur 2026 und 2027 Verluste bis zu einer Gesamtsumme von bis zu zwei Millionen Euro über­neh­men. Sie ist auch bereit, mit dem GKM und sei­nen kom­mu­na­len Gesellschaftern ab April in Verhandlungen über die zukünf­ti­ge Organisationsform des Krankenhauses Heilig Geist zu tre­ten. Hierbei han­delt es sich um eine Verhandlungspflicht. Eine zukünf­ti­ge Beteiligung der Stadt Boppard ist nicht vorausgesetzt.

Mit der Beschlussfassung über den Erlass eines Betrauungsaktes und einer even­tu­el­len Vereinbarung mit der Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein gGmbH über den Verlustausgleich des Krankenhausstandortes Heilig Geist in Boppard wird sich der Stadtrat in einer Sitzung am 2. März befas­sen. Danach muss auch noch abge­war­tet wer­den, ob die Kommunalaufsicht grü­nes Licht geben wird. Erst dann ist der Weg zur Umwandlung in eine Regioklinik frei. Natürlich muss für das Konstrukt Regioklinik auch das bis­he­ri­ge Zukunftskonzept über­ar­bei­tet werden.

Die erheb­li­che finan­zi­el­le Kraftanstrengung für das Krankenhaus zwingt Boppard jeden­falls zum Sparen. Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Ein pikan­tes Gerücht, das in Boppard die Runde macht: Der Weiterbetrieb des im Juni 2022 nach Bau- und Sanierungsarbeiten wie­der­eröff­ne­ten Freibads in Buchenau, das hart­nä­ckig Verluste schreibt, könn­te bald zur Diskussion stehen.

Was ist eine Regioklinik
Unklar ist vie­len Bürgern nach wie vor, was genau eine Regioklinik ist. Für die rhein­land-pfäl­zi­sche Landesregierung mit ihrem Gesundheitsminister Clemens Hoch soll mit den Regiokliniken die medi­zi­ni­sche Grundversorgung im länd­li­chen Raum sicher­ge­stellt wer­den. Nach zahl­rei­chen Krankenhausschließungen und dem dro­hen­den Aus wei­te­rer Krankenhäuser steht die Regierung unter Handlungsdruck und will jetzt lie­fern. Regiokliniken sol­len es rich­ten, zugleich setzt man dar­auf, dass die Krankenhausreform des Bundes end­lich dazu führt, dass Krankenhäuser finan­zi­ell sta­bi­li­siert wer­den. Es ist wohl kein Zufall, dass der Mainzer Gesundheitsminister, der von der Opposition wegen des flä­chi­gen Krankenhaussterbens scharf kri­ti­siert wur­de, im Landtagswahlkampf als mög­li­cher Retter auf­tre­ten kann. Nach dem Regioklinik-Pilotprojekt im ver­gan­ge­nen August in Hermeskeil soll jetzt auch in Boppard ein Krankenhaus geret­tet werden.

Anlässlich des Festaktes in Hermeskeil – hier wur­de das „Marienhaus St. Josef Krankenhaus“ zur Regioklinik – mach­te Gesundheitsminister Clemens Hoch deut­lich, dass er unter einer Regioklinik eine Mischung aus sta­tio­nä­rem und ambu­lan­tem Angebot sieht. Kleinere Alltagsnotfälle soll­ten künf­tig in Regiokliniken schnell und gut behan­delt wer­den. Notfälle und grö­ße­re Operationen hin­ge­gen wür­den aber spe­zia­li­sier­ten Kliniken vor­be­hal­ten blei­ben. Hochs Vorstellung: Regiokliniken ergän­zen klas­si­sche Krankenhäuser in der wohn­ort­na­hen Grundversorgung. Geplant sei, so Hoch, dass in einer Regioklinik Ärzte ver­schie­de­ner Fachrichtungen, spe­zia­li­sier­te Pflegekräfte und wei­te­re Gesundheitsexperten wie Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Pflegeberater gemein­sam arbeiten.