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Naturschützer: Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten überfällig

Naturschützer: Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten überfälligMainz. Die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) nimmt zur anhaltenden Diskussion um den richtigen Weg zur Erhaltung der Biodiversität wie folgt Stellung:

Ein deutlich besserer Schutz der Insekten ist mittlerweile eine Forderung, die nicht nur die Wissenschaft immer wieder propagiert, sondern auch allgemeine Zustimmung in der Bevölkerung findet. Die üblichen Sonntagsreden von Freiwilligkeit und langen Übergangsfristen, in denen dann doch nichts geschieht, sind nicht länger zu akzeptieren. Ein Verbot von Pestiziden ist deshalb überfällig, vor allem in Schutzgebieten. Dazu gehören nach deutschem Recht ausgewiesene Naturschutzgebiete sowie die nach europäischen Vorschriften gebildeten Natura 2000-Gebiete (FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete)

Anders ist der bisherige und immer noch anhaltende Trend des Rückgangs der Artenvielfalt und der Naturzerstörung nicht zu stoppen. Denn Pestizide haben in Gebieten, die vorrangig dem Schutz der Natur dienen, nichts zu suchen. Sie beeinträchtigen nach Auffassung der GNOR und auch nach Aussage des Bundesamtes für Naturschutz die biologische Vielfalt, beeinträchtigen dadurch die Habitate von ökologischen Lebensgemeinschaften und beschleunigen mithin das Artensterben.

Zu den Pestiziden gehört auch das Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat. Die Anwendung von Glyphosat in Naturschutzgebieten ist bereits seit 2003 verboten (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung). An das Verbot hielt sich kaum jemand, und die Naturschutzbehörden setzten das Verbot auch nicht durch. Auch aus diesem Grund sind härtere Maßnahmen erforderlich.

Die Kritik der Landwirtschaft an dem vorgesehenen Verbot ist zwar verständlich. Die wirtschaftliche Lage vieler Landwirte, vor allem der kleineren, ist zum Teil prekär. Die Gründe sind aber andere als die Anwendung oder Nichtanwendung von Pestiziden. Hauptproblem sind die seit Jahren erheblich zu niedrigen Erzeugerpreisen und die falsche Verteilung der staatlichen Agrar-Finanzhilfen. Für ersteren Komplex sind die Landwirte, vor allem aber ihre Bauernverbände, selbst verantwortlich. Bauernverbände sollten sich als „Gewerkschaften der Landwirte“ verstehen. 

Notfalls sollten die Landwirte eigene Gewerkschaften gründen, die dem Preisdiktat des Handels etwas entgegensetzen können. Bei den Finanzhilfen muss die Politik auf allen Ebenen dafür sorgen, dass sie bei denen ankommen, die sie brauchen, um das anhaltende Höfesterben zu verhindern. Und ansonsten müssen diejenigen Landwirte finanziell erheblich besser entschädigt werden, die Umweltleistungen erbringen. Dazu kann auch der Verzicht auf Pestizide gehören und die Umstellung auf naturverträglichere Lebensmittelproduktion oder auch Initiativen zur Eigenvermarktung in Hofläden.

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