Persönliche Geschichte aus Boppard

„Ich kämp­fe mein gan­zes Leben – und muss trotz­dem um Hilfe kämpfen“
Bopparder Fotografin kämpft um gerech­ten Pflegegrad

Sandra KlennerBoppard. Viele ken­nen Sandra Klenner als Fotografin, die mit viel Herz Familien, Babys und beson­de­re Momente fest­hält. Was vie­le nicht sehen: Hinter ihrer Kamera steht eine Frau, die seit ihrer Kindheit mit schwe­ren Erkrankungen lebt – und täg­lich um ihren Alltag kämp­fen muss. Bereits im Alter von zwei Jahren begann ihre Krankheitsgeschichte mit chro­ni­schen Blasenentzündungen. Mit zwölf Jahren folg­te die Diagnose Morbus Crohn – eine chro­nisch ent­zünd­li­che Darmerkrankung, die ihr Leben nach­hal­tig geprägt hat. Über die Jahre kamen wei­te­re chro­ni­sche Erkrankungen hin­zu, dar­un­ter Endometriose sowie schwer­wie­gen­de uro­lo­gi­sche Einschränkungen. Heute lebt sie mit einem Ileostoma und beid­sei­ti­gen Nephrostomien – eine dau­er­haf­te, inten­si­ve medi­zi­ni­sche Versorgung ist für sie Alltag. Trotz all dem hat sie sich ein eige­nes Business auf­ge­baut. Sie arbei­tet, orga­ni­siert Shootings, ist für ihre Kundinnen und Kunden da – und ver­sucht, sich ein Stück Normalität zu bewahren.

Doch genau die­se Stärke wird ihr nun zum Problem. Die Pflegekasse hat ihren Antrag auf Pflegegrad 3 erneut abge­lehnt. Stattdessen bleibt es bei Pflegegrad 2 – eine Entscheidung, die Sandra Klenner nicht nach­voll­zie­hen kann.

„Ich kämp­fe jeden Tag. Nicht nur mit mei­ner Gesundheit, son­dern auch damit, über­haupt ernst genom­men zu wer­den“, sagt sie. „Es fühlt sich an, als müss­te man erst kom­plett zusam­men­bre­chen, bevor einem gehol­fen wird.“ Unterstützt wird sie vom Sozialverband VdK, doch der Weg ist lang und belas­tend. Für die Bopparderin geht es dabei nicht nur um sich selbst: „Es gibt so vie­le Menschen, die krank sind und trotz­dem funk­tio­nie­ren müs­sen. Und dann müs­sen wir zusätz­lich noch kämp­fen, um die Hilfe zu bekom­men, die wir eigent­lich brauchen.“

Doch in all dem gibt es auch das, was ihr Kraft gibt: die Menschen an ihrer Seite. Ihre Eltern, ihre Oma und ihre Familie, die sie seit Jahren beglei­ten, auf­fan­gen und nie los­las­sen. Menschen, die sie durch jede Phase ihres Lebens getra­gen haben und ihr immer wie­der zei­gen, dass sie nicht allein ist. Und auch Freunde, die geblie­ben sind. Die nicht gegan­gen sind, als es schwie­rig wur­de. Die zuhö­ren, mit­füh­len, unter­stüt­zen – und die zei­gen, was wah­re Freundschaft wirk­lich bedeu­tet. „Gerade durch all das merkt man, wer wirk­lich da ist. Wer bleibt. Und dafür bin ich unend­lich dank­bar“, sagt sie leise.

Ihr Partner ist dabei ein ganz beson­de­rer Halt. Für ihn ist es ganz selbst­ver­ständ­lich, für sie da zu sein. Er steht an ihrer Seite, unter­stützt sie im Alltag und ist auch in den schwe­ren Momenten da – ruhig, ver­läss­lich und mit ganz viel Herz. Eine Stärke, die oft lei­se pas­siert, aber für Sandra von unschätz­ba­rem Wert ist.

Auch medi­zi­nisch steht sie nicht allein da: Ihr Arzt, Dr. med. Frank Matthias Rudolph, unter­stützt sie mit fach­li­chem Rat und kämpft gemein­sam mit ihr für die Anerkennung ihrer Situation.

Diese Menschen sind es, die ihr Halt geben, wenn alles zu viel wird. Die sie dar­an erin­nern, wei­ter­zu­ma­chen – auch an Tagen, an denen es kaum geht. Denn auf­ge­ben war für Sandra Klenner noch nie eine Option.

Mit ihrer Geschichte möch­te sie nicht nur auf ihre eige­ne Situation auf­merk­sam machen, son­dern auch auf die vie­ler ande­rer Betroffener: „Es darf nicht sein, dass man kämp­fen muss, um gese­hen zu wer­den. Dass man sich erklä­ren muss, obwohl man jeden Tag mit sei­nen Einschränkungen lebt.“

Sandra Klenner möch­te sicht­bar machen, was oft unsicht­bar bleibt – den täg­li­chen Kampf hin­ter einem schein­bar „funk­tio­nie­ren­den“ Leben. Denn ihre Geschichte ist kein Einzelfall. Und trotz­dem ist sie heu­te hier.

Trotz allem, was war.

Trotz all der Momente, in denen es auch anders hät­te aus­ge­hen kön­nen. Und viel­leicht ist genau das, das Wichtigste: dass sie lebt. Dass sie jeden Tag aufs Neue kämpft. Und dass sie nie auf­ge­hört hat, an das Leben zu glau­ben – selbst dann nicht, wenn es sie fast genom­men hät­te.