Oberwesel. Im vergangenen Jahr sorgte die Nachricht vom Aus des Mittelalterlichen Spectaculums für Schlagzeilen und große Enttäuschung. Die populäre Veranstaltung hatte in den vergangenen 40 Jahren Zigtausende Besucher – längst nicht nur eingefleischte Mittelalter-Fans – begeistert und war unstrittig ein Markenzeichen der Stadt Oberwesel. Doch der „Verein zur Erhaltung mittelalterlichen Brauchtums in Oberwesel“, der das Spectaculum mit Kompetenz und Herzblut auf die Beine gestellt hatte, musste letztlich kapitulieren. „Die Sicherheitsbestimmungen und Auflagen sind immens“, sagte der Vorsitzende, Joachim Fladl, im Gespräch mit dem RHA. „Das alles ist für uns als Ehrenamtliche finanziell, organisatorisch und versicherungsrechtlich nicht mehr machbar“, sagt er spürbar mit großem Bedauern.
Notbremse gezogen
Fladl und sein Verein zogen also schweren Herzens die Notbremse. Es ist ihnen auch kein Trost, dass derzeit zahlreiche, überwiegend ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen ebenfalls auf der Kippe stehen. Laufveranstaltungen, Kultur- und Wanderevents und Dorf- und Stadtfeste stehen durch steigende Gebühren und Auflagen vor einer unsicheren Zukunft. Jüngstes Beispiel dafür in der Region ist der Mittelrheinische Weinfrühling. Dort tun die umtriebigen Planer und Macher des Fördervereins Boppard Hamm alles, um diese Erfolgsveranstaltung, die bei der jüngsten Auflage 12.000 Menschen begeisterte, zu erhalten. Doch ein einfacher Selbstläufer ist dies sicherlich nicht.
In Oberwesel hat man das Kapitel Spectaculum abgehakt. „Wir hatten im März noch mal Gespräche mit der Stadt geführt, aber das Mittelrheinische Spectaculum, wie wir es in all den Jahren erlebt haben, wird es nicht mehr geben. Das steht fest“, so Joachim Fladl. Oberwesel ist um eine beliebte Attraktion ärmer, für die Menschen aller Generationen der Region ist dies ein Verlust.
Vision zur Buga 2029
Doch Joachim Fladl und seine Mitstreiter haben eine Vision, die Hoffnung macht. „Warten wir mal ab, wie sich Oberwesel im Hinblick auf die Bundesgartenschau 2029 im Uferbereich präsentieren wird“, so Joachim Fladl. „Wir können uns durchaus vorstellen, dass wir dann am Rhein unser Fest wieder aufleben lassen.“ Natürlich wäre solch ein „Spectaculum light“ nicht vergleichbar mit dem bisherigen Mittelalter-Event. Aber die kreativen Köpfe des Vereins zur Erhaltung mittelalterlichen Brauchtums in Oberwesel machen sich Gedanken, wie eine solche Veranstaltung zu realisieren sein könnte. Ein gut durchdachtes und tragfähiges Konzept könnte die Basis sein für einen „Hauch von Mittelalter“ im Jahr 2029 und danach. „Gute Ideen und potenzielle Unterstützer sind bei uns willkommen“, sagt Joachim Fladl.



























