Schöneberg. Befahrungen mit Forstmaschinen ver­ur­sa­chen oft Bodenschäden im Wald. Eine Forschungsarbeit der Universität Trier zusam­men mit Landesforsten Rheinland-Pfalz zeigt, dass ein Mattensystem, auf­ge­bracht als schüt­zen­de Auflage auf den Waldboden, die Schadeinwirkungen deut­lich redu­zie­ren kann. 

Wer gele­gent­lich im Wald spa­zie­ren­geht, hat sicher schon bemerkt, dass Forstmaschinen teil­wei­se tie­fe Fahrspuren hin­ter­las­sen. Was unschön aus­sieht, ist auch öko­lo­gisch gese­hen pro­ble­ma­tisch. Nachhaltige Schäden betref­fen nicht nur die obers­ten Bereiche des Waldbodens, son­dern rei­chen tief. Wissenschaftliche Untersuchungen bele­gen, dass das hohe Gewicht der Forstmaschinen den Boden beson­ders unter feuch­ten Witterungsbedingungen ver­dich­tet. „Zum Teil wird der Boden bei Befahrung nahe­zu durch­ge­kne­tet. Das führt zu nach­hal­ti­gen, teil­wei­se irrever­si­blen Störungen, sodass der Waldboden sei­ne öko­lo­gisch wich­ti­ge Funktion nicht mehr erfül­len kann“, erklärt Bodenkundler Dr. Raimund Schneider, der seit rund 40 Jahren Befahrungseffekte und deren Wirkungen auf Böden unter­sucht. Beispielsweise wird das Wurzelwachstum gehemmt, die Durchlüftung stark redu­ziert und der Lebensraum für Bodenorganismen geht ver­lo­ren – teils für vie­le Jahrzehnte.

Immer mehr Kleintechnik im Forst
Matten auf dem Waldboden„Der Maschineneinsatz zur Manipulation der schwe­ren Holzstämme ist tech­nisch unver­meid­bar. Um flä­chi­ge Bodenschäden zu ver­mei­den, kon­zen­trie­ren sich die Befahrungen mit schwe­ren Fortmaschinen auf soge­nann­te Rückegassen, die inzwi­schen in der Regel im Abstand von 40 Metern befah­ren wer­den“, erklärt der zustän­di­ge Fachreferent Ingo Siebert von Landesforsten. Allerdings haben die Bodenschutzmaßnahmen, zuneh­men­de Personalknappheit und weit­rei­chen­de Klimafolgeschäden in den Wäldern dazu geführt, dass sich soge­nann­te „Forstliche Kleintechnik“ (Forstraupen) eta­bliert hat, deren Anwendungsbereiche sich suk­zes­si­ve erwei­tern. Forstbetriebsarbeiten, wie Baumpflanzungen auf unbe­fah­re­nen und gegen­über Druckbelastungen emp­find­li­chen Waldböden zwi­schen den Rückegassen kön­nen so mecha­ni­siert erfolgen. 

Allerdings ist die tech­ni­sche Möglichkeit nicht zwangs­läu­fig mit der bes­ten Lösung gleich­zu­set­zen. „Daher ist es wich­tig, dass Forschung und Forstpraxis gemein­sam Strategien ent­wi­ckeln, um Waldböden zu schüt­zen und gleich­zei­tig nach­hal­tig nut­zen zu kön­nen“, erklärt Geowissenschaftler Dr. Björn Klaes aus der Bodenkunde der Universität Trier. Schonender könn­ten bei vie­len Aufgaben die Verbindung klei­ner, leich­ter Forstraupen mit einem por­ta­blen Mattensystem sein. Ein Team der Universität Trier und Landesforsten Rheinland-Pfalz hat genau das im Hunsrück auf feuch­ten Waldböden getestet.

Matten könn­ten Bodenregeneration fördern
Matten auf dem Waldboden„Unsere Ergebnisse zei­gen, dass sogar die leich­te­ren Forstraupen den unbe­fah­re­nen Boden nach­hal­tig schä­di­gen kön­nen. Das Mattensystem bie­tet dage­gen einen rela­tiv guten Schutz“, sagt Ingo Siebert, der über den Einsatz des Systems im Fach Bodenkunde pro­mo­viert. Es zeig­te sich sogar, dass im Boden nach meh­re­ren Fahrten über die Matten grö­ße­re Risse ent­stan­den sind, die zur Regeneration des Waldbodens nach der Befahrung bei­tra­gen könn­ten. Dies muss aber erst noch in Langzeitstudien inten­siv unter­sucht werden. 

Weitere Versuchsergebnisse mit schwe­ren Forstmaschinen auf Rückegassen bestä­ti­gen, dass das Mattensystem auch hier deut­li­che Bodenschutzwirkungen erzielt. „Die Einsatzbereiche die­ses Systems sehen wir vor allem auf Sonderstandorten und bei der Ernte von beson­ders hoch­wer­ti­gen Bäumen“, schil­dert Ingo Siebert. 

Die enge Zusammenarbeit zwi­schen Landesforsten Rheinland-Pfalz und dem Fach Bodenkunde der Universität Trier besteht seit Jahrzehnten und soll auch in Zukunft wich­ti­ge Forschungsergebnisse für die Forstpraxis liefern.