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Boppards echte Kerle – Geistliche Ritter im Heiligen Land

(Dieser Artikel ist eine Programmvorschau des öffentlichen Kulturereignisses am 17. September, 18 bis 20 Uhr, in der St. Severus Basilika. Link siehe unten)

von Paul Dolan

Sie waren der Stolz des Papstes; der Stolz des Christentums. Über viele Generationen waren sie der Stolz Europas Könige und Kaiser. Sie waren die Erzfeinde der Gegner Jesus Christus. Sie waren die Templer. An die legendären Tempelritter der Kreuzzüge (1095 bis 1307), auch aus Boppard am Rhein, wird mit einem gesunden Maß an Bewunderung erinnert und was aus ihnen vor ca. 700 Jahren wurde.

Im Jahre 1836 schrieb Konrad Büchele: „Auch stand in Boppard ein Tempelhof, und bei der Belagerung von Ptolemäus (heute, Akkon an der nordisraelischen Küste) kamen unter den Kreuzfahrern Tempelritter von Boppard vor. Sie galten für ebenso wackere Zecher als gute Degen damals.“ 1)

Fünfzig Jahre später, im Jahre 1887, besuchten Journalisten Boppard, der damaligen Frankfurter Zeitung, heute die FAZ. Ihr Ziel, einen Bericht für das Feuilleton über die kulturellen Sehenswürdigkeiten des alten Boppard zu schreiben. Ein Auszug aus deren Bericht, konnten wir in Boppards Journal, Nr. 140 lesen. „In der Nähe des alten Franziskanerklosters, wo die Rheingasse mündet, steht das alte Templerhaus mit Rundfenstern, Viereckturm und einem mittleren Turm. Und hier wohnten die Tempelherren von Boppard, die sich bei der Belagerung von Ptolemäus so ausgezeichnet, dass ihrer besonders rühmend erwähnt wurde. Der hiesige Orden war reich an Einkünften, wie an Mitgliedern und Dienstmannen.“ 2)

Tempelritter Konrad Beyer von Boppard

„Im 12. Jahrhundert, als man die Zümpfte geordnet hatte, erhielten auch die Bürger Teil an der städtischen Regierung. Die von ihnen erwählte Obrigkeit saß mit den Patriziern zu Gericht. Das Haus der genannten Beyer von Boppard war eines der ältesten und berühmtesten vom Adel des Rheinlands. Ein Glied desselben gab der romantischen Poesie Stoff zu einer Sage, die auf einer wirklichen Geschichte rührt und hier mitgeteilt sei:

Ritter Konrad Beyer von Boppard war ein tüchtiger Fehdgesell, ein lustiger, etwas wilder Kumpane; sonst biederen und aufrichtigen Gemüts. Er lebte zurzeit Kaiser Friedrich I. Als dieser heldenmütige Fürst im Bund mit England und Frankreich, den berühmten Kreuzzug wider die Muselmänner antrat, mochten es die Ritter und Reisigen Knechte, welche sich aus allen Gegenden Deutschlands her dieser Unternehmung beigesellten, und namentlich die vom Rhein, vielleicht ein wenig wundern, dass unter ihrem Fähnlein nicht das Banner Konrads wehte, den sein feuriger und mutiger, bei jeder Straße dahin riss, wo der Kampf am stärksten und gefährlichsten war.

Ritter Beyer liebte ein Fräulein Maria. Er versprach ihr die Hochzeit. Doch als der Zeitpunkt zur Ehe kam, hat er das Mädchen enttäuscht und wollte seine Freiheit als Junggeselle nicht aufgeben. Das Mädchen verkleidete sich als Ritter und forderte ihn bald wegen Wortbruch zum Zweikampf heraus. In dem Duell brachte Ritter Beyer Maria um. Als er seinem Gegner den Helm abnahm, merkte er, dass er seine Liebe getötet hatte. Aus Reue und Schmerz zog er dann in das syrische Land. Von dort ging er nach Jerusalem und ließ sich in den Orden der Tempelritter aufnehmen. Er bewies seine Tapferkeit in Kaiser Friedrichs Heer. Es war sein Wunsch, mit der Geliebten bald vereint zu sein.

Da warf glühend von mehr die irdische Begeisterung, Konrad den Panzer von sich, und nur im Helm und Koller mit der einen Hand sein flammendes Schwert, mit der anderen des Ordensbanner Beausant ergreifend, drang er vor, seinen tapferen Bruder im heftigsten Kampfe heran, erstieg die Mauer, die Feste war gewonnen, und – Konrad sank von einem Pfeil, den der flüchtige Feind zurücksandte und der sein leidendes Herz durchbohrte. Maria war des Helden letzter Ruf.

Die Urkunde des Mittelalters besagt uns, dass die Familie der Beyer von Boppard noch Jahrhunderte lang unter den edelsten Geschlechtern des Rheins blühte und 1598 ihr Mannsstamm erlosch. Sie meldeten, dass Ritter Konrad, Beyer von Boppard als einer der mutigsten Helden bei Ptolemäus kämpfte und das Panier des Templerordens getragen habe.“ 3)

Ritter Rudolf zu Eltz

Rudolf, der Ahnherr des später für die Freiheit von Boppard so energisch kämpfende Johann zu Eltz und des bei der Feier anwesenden Dr. Karl Graf zu Eltz, gehörte ebenfalls zum Gefolge von Kaiser Friedrich Barbarossa. Der hochfreie Ritter in kaiserlichen Diensten zeichnete sich derart aus, dass ihm der Kaiser einen Landstrich zwischen Mosel und Maifeld als „Allodium“, zu freiem Eigentum, schenkte, und nicht, wie üblich, als Lehen überließ. In seiner Mitte entstand ab 1150 Burg Eltz.

Rudolf erlebte 1162 Hildegard von Bingen auf dem Hoftag zu Ingelheim. Hildegard, die mit Bernhard von Clairvaux – wie auch die Templer – ihren wichtigsten Fürsprecher hatte, wird seit jeher verehrt im Hause Eltz. Eine Kopfreliquie dieser großen Heiligen und mittelalterliche Universalgenies wird in der auf sie geweihten Burgkapelle aufbewahrt. Papst Benedikt erhob Hildegard zur Kirchenlehrerin, die höchste kirchliche Ehre. Am 17. September 2021, ihrem Feiertag, begehen wir das Templerjubiläum in der Basilika St. Severus.

Bernhard von Clairvaux und Boppards Tempelritter

Es wird berichtet, dass der Zisterzienserabt, Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153), der bedeutendste Kleriker Frankreichs des Mittelalters war. Er sorgte für die rasche Ausbreitung des Templer Ordens in ganz Europa.

Um das Jahr 1147 besuchte Bernhard von Clairvaux Boppards Tempelritter und segnete sie vom Sandtor am Rheinufer, bevor der Bau der St. Severus Kirche begann, die erst 1236 fertig wurde. 1145 wird Eugen III. (Eugenius) Papst. Eugen III. war ein Schüler von Bernhard von Clairvaux aus dem Kloster in Clairvaux. Im Jahre 1148 segnete Papst Eugen III das Hohe Kloster Marienberg. 6)

Boppards Tempelritter unterstützten die Kreuzzüge. Sie betrieben Bauernhöfe um Boppard herum wie in Hirzenach, Holzfeld, Rheinbei, Weiler, und Werlau. Von Boppard und St. Goar aus wurden landwirtschaftliche Produkte, wie Getreide, Fleisch, Wolle, Holz und Lederprodukte in das Heilige Land verschickt. Jeder Hof hatte seine eigene bescheidene Holzkirche.

Den strengen Lebensstil, wie ihn die Zisterzienser pflegten, erkannte Bernhard auch bei einer Gruppe von Männern und Kreuzrittern, die sich um Hugo von Payens beim Tempel Salomos in Jerusalem zu einer religiösen Gemeinschaft zusammengeschlossen hatten. Sie hatten sich zur Armut und zur Keuschheit verpflichtet. Ihre Hauptaufgabe sahen diese Männer darin, die christlichen Pilger im Heiligen Land vor den Muslimen zu beschützen. Sie waren also Mönche und Ritter zugleich. Eine, für die damalige Zeit, ungeheuerliche Kombination. Denn einem Mönch war grundsätzlich der Kampf mit Waffen verboten. Innerhalb der Kirche stießen diese sogenannten Tempelritter deshalb auch auf heftige Kritik.

Doch der Abt von Clairvaux stellte sich eindeutig auf die Seite der Templer. Schließlich trugen diese Mönche ihr Schwert allein im Dienste Gottes und kämpften ausschließlich gegen die Feinde des christlichen Glaubens. Auch, dass sie als Soldaten töten mussten und selbst getötet wurden, ist für Bernhard nur durch ihren besonderen Auftrag zu verstehen und in keiner Weise mit weltlichen Rittern zu vergleichen. Es waren geistliche Ritter Christi. „Diese neuen Streiter fürchteten niemals eine Sünde, wenn sie die Feinde erschlugen, noch die eigene Todesgefahr. Denn der Tod, den man für Christus erleidet oder auch verursacht, trägt keine Schuld an sich und verdient vielmehr den größten Ruhm. Ein Ritter Christi, sage ich, tötet in Sicherheit, und in noch größerer Sicherheit stirbt er. Der Christ rühmt sich, wenn er einen Ungläubigen tötet, weil es Christus zu Ehren kommt.“

Bernhard teilt die weitverbreitete Kreuzfahrerbegeisterung seiner Zeit. Es ging schließlich darum, die heilige Stätte der Christen vor den Heiden und Ungläubigen zu schützen. Deshalb waren die Tempelritter für ihn unverzichtbar.

„Also rückt vor, ihr Ritter, und vertreibt unerschrocken die Feinde des Kreuzes Christi in der Gewissheit, dass weder Tod noch Leben euch von der Liebe Gottes trennen können.“ 5)

Legitimation der Tempelritter
Nach dem Konzil von Troyes schreibt Bernhard von Clairvaux seine Denkschrift: “Ad milites Templi de laude nove militie” (Lob den Tempelrittern). Er legt den Grundstein der theologischen Legitimation kämpfender Mönche und des Heiligen Krieges fest. 4)

Es war nicht zuletzt Bernhard und seiner Satzung bzw. Verfassung für die Tempelritter zu verdanken, dass diese neue religiöse Lebensform vom Papst als Ordensgemein-schaft anerkannt wurde. In der entsprechenden Bulle für die Templer legt Papst Innozenz II im Jahre 1127 schließlich fest: „Gott selbst hat euch zu Verteidigern der Kirche und Gegner der Feinde Christi gemacht.“ 5)

Wachsender Einfluss der Templer auf Boppard

Nach dem Tode des Templers Ritter Konrad Beyer von Boppard im Heiligen Land

wuchs die Anzahl der Bopparder Templer und ihr Einfluss auf die Stadt Boppard. Fünfzig Jahre nach dem Besuch des Hl. Bernard v. Clairvaux in Boppard und der Weihe des Hohen Klosters Marienberg durch „seinen Papst,“ Eugen III, erscheint ein Templerkreuz in unserem Stadtsiegel von 1216. Es ist kein Zufall, dass das Templerkreuz oberhalb des Reichsadlers positioniert ist, denn der Orden der Templer ist direkt dem Papst seit 1127 untergeordnet und über die gekrönten Häupter gestellt.

Boppards echte Kerle – Geistliche Ritter im Heiligen LandNebeneinander sieht man das Templersiegel von 1130 und das Siegel von Boppard, das zwischen den Jahren 1216 und 1228 verwendet wurde. Deutlich sind die Tatzen Kreuze der Templer in den oberen Ringen beider Siegel zu sehen. St. Severus war noch in der Enstehungsphase und hatte einen anderen Namen. Geistliche Templerkreuzritter arbeiteten landesübergreifend unter dem Papst. Entwicklungen und Innovationen in einem Land wurden von Land zu Land weitergegeben.

Als der Einfluss der Templer in England und Frankreich wuchs, wie auch in Deutsch-land, reformierten die Templer die Gesetze und Regierungsformen. In England reformierten sie die Katholische Kirche um 1199 und im Jahr 1215 setzten sie zusammen mit englischen Baronen die Magna Carta gegen den zurecht gehassten King John durch.  Der Anfang der Ablösung der veralteten feudalistischen Herrschaftsstrukturen wurde durch konstitutionelle und liberalere Regierungsformen durch den Templerorden begonnen.

Boppards echte Kerle – Geistliche Ritter im Heiligen Land

Boppards majestätische St. Severus Kirche und das neue Templerhaus wurden spätestens 1220 bzw. 1236 fertig. Mit ihren prominenten Plätzen am Rheinufer waren beide für jeden Reisenden aus ganz Europa zu bewundern. Boppards neues Templerhaus galt als das eleganteste Gebäude in den Rheinlanden. Einher mit diesen monumentalen Erscheinungen, wird ein Stadtsiegel hergestellt, das heute noch bewundert und verwendet wird.  Die neuen Siegel werden von drei Templer Tatzen Kreuze, die die stolzen neuen Glockentürme der St. Severus schmücken, hervorgehoben.

Boppards echte Kerle – Geistliche Ritter im Heiligen Land

 Der Reichsadler wird weiter nach hinten, um Platz fürdie Templer Tatzen Kreuze zu machen, verschoben. Ähnlich wie in England, wo King Henry III und sein Bruder Richard von Cornwall regierten, und ein Parlament mit zwei Häusern langsam entstand, wird in die damals mächtige freie Reichsstadt Boppard, eine Regierungsform mit zwei Senats-Häusern etabliert. Adel und Bürger regieren zusammen.

Johann zu Eltz tritt in die Fußabdrücke der Templer

Während einer Ein-Jahrhundert langen Auseinandersetzung mit dem Kurtrier über ihren Status als freie Reichstadt, rebellierten Bopparder im Jahre 1497. Nach der Niederlage im Jahr 1498 lässt der Erzbischof von Trier, Johannes II die vom Templerorden geprägte Stadtverfassung, die seit 1236 bestand, neu schreiben. Ritter sollen künftig nicht weiter als Schöffen in den Senaten zugelassen werden. Dem widersetzt sich Johannis Graf zu Eltz, ein betroffener Adliger. Er greift mit Einverständnis der Ritterschaft Boppards mit 250 Mann am Dreikönigstag 1501 Boppard erfolgreich an. Der Erfolg währte freilich nicht lange. Boppard wird im Jahr darauf zum Frieden erneut gezwungen und musste sich erneut Trier unterwerfen.

Balduin und das Schicksal Boppards Tempelritter

Der Einfluss des Templerordens wuchs von 1118 bis 1307 ununterbrochen in ganz Europa. Der Orden beriet und finanzierte gekrönte Köpfe und Machthaber, um die Kreuzzüge zu unterstützen. In Frankreich, König Philip IV der Schöne (1265-1314) schuldete hohe Summen an den Templerorden, welcher u.a. in Paris große Vermögen verwaltete. Um seine Schulden loszuwerden, ließ er am 13. Oktober 1307 führende Templer verhaften, foltern und später ermorden. Mit Hilfe des Papstes, Clemens V, der in Avignon den Schutz des französischen Königs genoss, ließ Phillip der Schöne den Templerorden endgültig im Jahr 1312 ungerechtfertigter Weise auflösen. Nun, in Boppard erschien Balduin zu Luxembourg (1285-1354), der Anspruch im Jahr 1308 erhob, auf die an ihn durch seine Brüder, den Kaiser Heinrich VII, Boppard und Oberwesel, verpfändet hatte.

Balduins Anspruch auf Templergelände und -vermögen rührte daher, dass sein Ziehvater französischer König Philip IV der Schöne war. Sein eigener Vater starb in einer Schlacht, als Balduin nur drei Jahre alt war im Jahr 1288. Philip der Schöne übernahm die Erziehung von Balduin von Luxembourg und seinen Brüdern. Nach Balduins langjährigen Krieg gegen Boppard und seinen Sieg im Jahre 1327 war das Schicksal Boppards Templer und ihr Vermögen längst entschieden.

Die Templer waren dem französischen König und seinem Sohn Balduin zum Opfer gefallen. Neben den Schulden des französischen Königs den Templern gegenüber, waren sie zu einflussreich und zu vermögend geworden.

Fußnoten:

  • Deutschlands Vaterlandkunde, ein Hand- und Hausbuch von und für Deutschland und die angrenzenden Länder und Wegweiser für Reisende und Geschäftsmänner aller Klassen. Nach neuesten Quellen bearbeitet von Dr. Bü Erster Band, Stuttgart und Leipzig, Druck und Verlag Rieger und Comp. 1836, Seite 786. (Stempel des Eigentümers: Britisch Museum)
  • Rund um Boppard, Journal Nr. 140, Beiträge zur Geschichte der Stadt Boppard, Herausgeber: Heimatkundlicher Arbeitskreis des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Boppard, Text und Fotos: Jürgen Johann

So ist nun das uralte Boppard seiner alten Herrlichkeit entkleidet! Das alte Boppard – Feuilleton der „Frankfurter Zeitung“ anno 1887.

  • Aus 50 Jahre Rund um Boppard, eine Dokumentation 1954-2004,. Seite 200-201
  • Leben des Hl. Bernhard von Clairaux, Autor, Paul Sinz, Januar 1962, Patmos Verlag, Düsseldorf
  • Bernhard von Clairvaux, Kirchenpolitiker und Ordensreformer,“ Autor, Rüdiger Achenbach, 2. März 2015, Deutschlandfunk, 2009-2021, Partner ARD, ZDF, Phoenix, arte.
  • Kirchenchronik St. Severus Basilika.

Hinweis: Kulturereignis offen für alle: 17. September 2021, 18 bis 20 Uhr, in der St. Severus Basilika, Details bitte hier klicken: https://www.economic-forum-deutschland.de/

Anmeldung für den Empfang unter: info@economic-forum-deutschland.de oder per Fax.: 06742 9414821, Telefon: 06742 9414820

Copyright: Paul Dolan, Boppard, 23. August 2021; Lektorin: Elke Hoppe Dolan

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