Ultraschallgesteuerte Regionalanästhesie ist Goldstandard im Heilig Geist

Boppard. „Wir sind Freunde gewor­den. Hier ist es wie zu Hause, nur mei­ne Hunde feh­len“, sagt der 70-jäh­ri­ge Michael Andreae. Seit 2023 wur­de er im Heilig Geist in Boppard mehr­fach ope­riert. Er lei­det seit Jahren unter ande­rem an star­ken Durchblutungsstörungen, und nach einem aku­ten Knocheninfekt soll­te sein Fuß ampu­tiert wer­den – für Andreae kei­ne Option. Er hat­te bereits von Privatdozent Dr. med. Gunnar Riepe, Chefarzt der Klinik für Wundmedizin und Leiter des zer­ti­fi­zier­ten Wundzentrums Mittelrhein, gehört und wur­de so im Bopparder Krankenhaus vor­stel­lig. Ein Glücksgriff in dop­pel­ter Hinsicht: Bislang konn­te sein Bein erhal­ten wer­den und das ganz ohne Angst vor Vollnarkose, denn alle Eingriffe erfolg­ten in ultra­schall­ge­steu­er­ter Regionalanästhesie – ein Verfahren, das Michael Andreae aus ande­ren Häusern nicht kann­te. „Früher hat­te ich wegen der Vollnarkose und deren Nebenwirkungen Panik vor Operationen. Mit der regio­na­len Betäubung füh­le ich mich rich­tig wohl. Dafür dan­ke ich Dr. Knitz und sei­nem Team herzlich.“ 

Boppard Heilig Geist - RegionalanästhesieDr. med. Frank Knitz ist Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin, Schmerztherapie im Heilig Geist. Unter sei­ner Leitung wur­de die ultra­schall­ge­steu­er­te Regionalanästhesie als Goldstandard eta­bliert und kommt bei rund 80 Prozent aller Eingriffe zum Einsatz. „Mit Hilfe hoch­auf­lö­sen­der Ultraschallgeräte las­sen sich feins­te ana­to­mi­sche Strukturen beson­ders gut dar­stel­len. Das nut­zen wir, um peri­phe­re Nerven, die für die Versorgung des Operationsgebietes ver­ant­wort­lich sind, detail­liert zu sehen und dann gezielt zu anäs­the­sie­ren“, erklärt Knitz. Eine Operation in Vollnarkose ist für den Körper immer belas­tend und mit Risiken ver­bun­den. Regionalanästhesien per Ultraschall hin­ge­gen redu­zie­ren das Komplikationsrisiko, sind sicher und schnell durch­führ­bar. „Das erhöht den Komfort und es besteht eine deut­lich gerin­ge­re Belastung für die Patienten“, so Knitz. 

„Gerade für mei­ne Risikopatienten ist die­ses Verfahren oft die ent­schei­den­de Wende“, erklärt Privatdozent Dr. med. Gunnar Riepe. „Viele erhal­ten in ande­ren Häusern das Urteil ‚nicht nar­ko­se­fä­hig‘, da eine Vollnarkose bei bestimm­ten Vorerkrankungen zu risi­ko­reich wäre. Weitere Vorteile: Die Einnahme von Blutverdünnern spielt nur eine unter­ge­ord­ne­te Rolle und Diabetiker müs­sen nicht wie bei einer Vollnarkose nüch­tern blei­ben. Sie kön­nen früh­stü­cken und die für sie wich­ti­ge Energiezufuhr sicherstellen.“ 

Doch nicht nur die Patienten pro­fi­tie­ren. Auch für das Krankenhaus ist Regionalanästhesie per Ultraschall ein Gewinn: Längere Wartezeiten vor dem Eingriff und auch die Überwachung im Aufwachraum ent­fal­len, da die Patienten direkt nach der Operation wie­der auf ihr Zimmer kön­nen. Das schont per­so­nel­le Ressourcen, erhöht den Patientendurchfluss und bringt somit auch öko­no­mi­sche Vorteile. Neben dem Einsatz zur Betäubung bei ope­ra­ti­ven Eingriffen wird das Verfahren auch zur geziel­ten (post­ope­ra­ti­ven) Schmerzbehandlung ein­ge­setzt und genutzt, um die Durchblutung in aus­ge­wähl­ten Körperregionen zu ver­bes­sern. Das Bopparder Krankenhaus ist in der Region füh­rend auf dem Gebiet der ultra­schall­ge­steu­er­ten Regionalanästhesien. Damit sich die­ses Wissen wei­ter­ver­brei­tet, bie­ten Dr. med. Frank Knitz und sei­ne Kollegen regel­mä­ßig DEGUM-zer­ti­fi­zier­te Kurse an.

Für Michael Andreae ste­hen indes wei­te­re Operationen bevor. Inzwischen schaut er dar­auf mit inne­rer Gelassenheit: „Ich schät­ze den inten­si­ven Austausch hier. Man ach­tet sich gegen­sei­tig und alles wird auf Augenhöhe bespro­chen. Das gibt mir ein gutes Gefühl.“