Boppard. Für Winzer, Kommunalpolitiker, Jäger und interessierte Bürger gab es beim Johannesgang durch den Bopparder Hamm Informationen satt rund um den Weinanbau. Vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Abteilung Weinbau, war Benjamin Foerg als Experte vor Ort. Er erörterte den Stand der Entwicklung und sparte gegenüber dem RHA auch nicht mit Kritik: „Einige Flächen sind unzureichend bewirtschaftet. Dies begünstigt leider die Verbreitung von Schädlingen“, so Benjamin Foerg.
Bei brütender Hitze wurde im Hamm informiert und diskutiert. Aufgelockert wurde der Johannesgang musikalisch von der Jagdhornbläsergruppe Ehrbachklamm. Das Thema Jagd beschäftigt die heimischen Winzer sehr. Sie beklagen den hohen Bestand an Wildschweinen und Rehen. Die Tiere würden für nicht unerhebliche Schäden sorgen. Die Hoffnung der Winzer ist, dass sich durch gutes Bejagen die Situation verbessert. Doch angesichts der sehr großen Populationen, die auch dazu führen, dass Wildschweine immer wieder in Wohngebieten Gärten verwüsten, dürfte das „Wildproblem“ wohl noch länger zum Alltag der Winzer im Bopparder Hamm gehören.
Die gesamte Marktlage und nicht zuletzt das Konsumverhalten bereiten den Winzern Sorgen. Es wird immer weniger Wein getrunken, zugleich steigt die Nachfrage nach alkoholfreiem Wein und Sekt. Herausforderungen, die die Winzer annehmen müssen, um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können.
Benjamin Foerg beschrieb bei der Rebenbegehung einen insgesamt positiven Eindruck vom Bopparder Hamm. „Die Blüte ist gut verlaufen, jetzt befinden wir uns im Stadium Erbsengröße der Beeren. Aktuell sehen wir trotz der großen Hitze der vergangenen Tage relativ grüne Anlagen“, so der Experte vom DLR in Bad Kreuznach. Doch Foerg nannte im Gespräch mit dem RHA auch Dinge, die alles andere als optimal sind. „Man sieht, dass hier anders als in unseren anderen Anbaugebieten, Peronospora-Infektionen zu finden sind. Dieser sogenannte „Falsche Mehltau“-Befall wird normalerweise von Regenfällen und anschließender hoher Luftfeuchtigkeit ausgelöst. Begünstigt wird dieser Schädlingsbefall hier in Boppard von einigen nicht ausreichend bewirtschafteten Flächen“, so Foerg.
„Hier sind überall Flächen – auch ältere Flächen – mit diversen Aufwüchsen und alten Rebenaufwüchsen, die so etwas wie Krankheitsverteilungszentren sind. Hier können Krankheiten entstehen und streuen ihre Sporen aus“, erklärt Benjamin Foerg. Da diese nicht mehr bewirtschafteten Flächen auch nicht mehr mit Pflanzenschutz behandelt werden, sind sie Entstehungsorte für Krankheiten, die dann den Winzern zu schaffen machen.
Trotz der extremen Hitze geht es den Reben im Hamm recht gut. „Wir haben noch keine Trockenschäden. Die Reben retten sich von Regen zu Regen. Doch ändert sich die Wetterlage nicht bald, könnte es schon bald sehr kritisch werden“, stellt Benjamin Foerg fest.



























