Region. Die Landtagswahl ist Geschichte und das Ergebnis hat zumin­dest das Potenzial, auch in Zukunft noch als zeit­ge­schicht­lich rele­vant bewer­tet zu wer­den. Nach einer lan­des­po­li­ti­schen 35-jäh­ri­gen Ära mit vier SPD-Ministerpräsidenten (Rudolf Scharping, Kurt Beck, Malu Dreyer und Alexander Schweitzer) wird fort­an mit Cordon Schnieder ein CDU-Mann aus der Vulkaneifel auf dem „Chefsessel“ sit­zen. Die Christdemokraten haben es nach meh­re­ren ver­geb­li­chen Anläufen geschafft – mit deut­li­che­rem Vorsprung vor der SPD als erwar­tet. 31 Prozent für die CDU und 25,9 Prozent für die SPD: Selbst Experten zeig­ten sich von die­sem kla­ren Ergebnis überrascht. 

Tobias Vogt - Gordon SchniederAuch im Rhein-Hunsrück-Kreis (Wahlkreis 16) ließ das Wahlvolk kei­ne Zweifel auf­kom­men, wen es in der Regierungsverantwortung haben möch­te. 34,6 Prozent für die CDU und nur 23,8 Prozent für die Sozialdemokraten sor­gen für Jubel auf der einen Seite und für Enttäuschung auf der ande­ren Seite. Während die Grünen mit 6,4 Prozent mit einem blau­en Auge davon­ka­men, fei­er­ten die Blauen von der AfD mit 19,4 Prozent auch im Wahlkreis 16 ein ful­mi­nan­tes Ergebnis. Für die Bürgerinnen und Bürger der Region hat der Wahlausgang neben allen pro­zen­tua­len Verschiebungen zur Wahl von vor fünf Jahren noch etwas Gutes: Mit Tobias Vogt (CDU) als Gewinner des Direktmandates, Ruth Elisabeth Greb (SPD), die über ihren Listenplatz knapp in den Landtag rutsch­te, und Ralf Schönborn (AfD/Listenplatz) wer­den wei­ter­hin drei Abgeordnete aus dem Wahlkreis in Mainz arbeiten.

Wie geht es jetzt weiter?
In Mainz ist jetzt buch­stäb­lich Bewegung. Während die FDP-Abgeordneten und die Freien Wähler ihre Büros eben­so räu­men müs­sen wie eini­ge Sozialdemokraten und Grüne, die künf­tig nicht mehr dem Landtag ange­hö­ren, wer­den sich die zahl­rei­chen Neuen ein­rich­ten. Doch dies ist nur ein übli­ches Ritual nach jeder Wahl. Entscheidend ist das, was jetzt poli­tisch pas­sie­ren wird. Nach gro­ßen Fraktionssitzungen, an denen die bis­he­ri­gen und die neu­en Abgeordneten teil­ge­nom­men haben, star­ten jetzt Sondierungs- und Koalitionsgespräche. Da CDU und SPD auch in der Vergangenheit weit­ge­hend gut und kol­le­gi­al mit­ein­an­der umge­gan­gen sind, rech­nen Beobachter mit weit­ge­hend geräusch­lo­sen Verhandlungen und einem bal­di­gen Ergebnis. „Ich gehe davon aus, dass wir sehr kon­struk­ti­ve Gespräche füh­ren und schon bald eine Regierung ste­hen haben, die gute Arbeit für unser Land und die Bürgerinnen und Bürger leis­ten wird“, sagt Tobias Vogt im Gespräch mit dem RHA.

Auszählkrimi fiel nach der Prognose um 18 Uhr aus
Eindrücke unse­res Redakteurs Jürgen Zanger vom Wahlabend 

Region. Die Wahlumfragen hat­ten ein span­nen­des Kopf-an-Kopf-Rennen zwi­schen SPD und CDU erwar­ten las­sen. Entsprechend ange­spannt war die Stimmungslage über­all bei klei­ne­ren und grö­ße­ren Wahlpartys in den Wahlkreisen und in der Landeshauptstadt. Gebannt ver­folg­ten die Parteianhänger über­all an den Fernsehern die TV-Wahlsendungen. Die Gefühlslage war dif­fus zwi­schen Hoffnung, Zuversicht und Befürchtung. Doch als am Sonntag pünkt­lich um 18 Uhr die Prognose ver­öf­fent­licht wur­de, die von Demoskopen wis­sen­schaft­lich auf Basis von Befragungen an aus­ge­wähl­ten Wahllokalen erstellt wor­den war, herrsch­te früh Klarheit. Der gro­ße abend­fül­len­de Auszählkrimi war ange­sichts deut­li­cher Ergebnisse been­det. Es stand fest, dass die CDU der gro­ße Wahlsieger und die SPD der gro­ße Verlierer ist. Ebenso klar war, dass Freie Wähler, FDP und Linke den Einzug in den Landtag ver­passt haben, die Grünen sicher drin sind und die AfD den bis dato größ­ten Triumph im Westen der Republik fei­ern kann. Jubel, läh­men­de Stille, maß­lo­se Enttäuschung und Entsetzen konn­te man über­all registrieren.

Doch obwohl der Auszählkrimi im Großen been­det war, wur­de vor allem bei den Direktkandidaten in eini­gen Regionen lan­ge gezit­tert. Im hei­mi­schen Wahlkreis 16 zeich­ne­te es sich rasant ab, dass der 37-jäh­ri­ge Tobis Vogt (CDU, 36,8 Prozent) erneut das Direktmandat gewin­nen und zumin­dest wei­te­re fünf Jahre dem Mainzer Landtag ange­hö­ren wird. Auch dass AfD-Mann Ralf Schönborn über die Liste in den Landtag kommt, war ange­sichts des Ergebnisses sei­ner Partei klar. Doch was pas­siert mit Ruth Elisabeth Greb, die mit 23 Prozent das Direktmandat klar ver­fehl­te. Die enga­gier­te Sozialdemokratin muss­te lan­ge ban­gen, ob ihr Listenplatz 28 aus­rei­chen wür­de. Bei aller Enttäuschung über das Landesergebnis ihrer Partei gab es aber doch noch ein per­sön­li­ches Happy End.

Während Greb zit­tern muss­te, ob sie wegen des schlech­ten Ergebnisses ihrer Partei wei­ter dem Landtag ange­hö­ren kann, muss­te ein pro­mi­nen­ter CDU-Politiker aus dem benach­bar­ten Rhein-Lahn-Kreis wegen des gro­ßen Erfolges sei­ner Partei um sei­ne poli­ti­sche Zukunft ban­gen. Matthias Lammert, Landtags-Vizepräsident aus Diez und Nachfolger des hei­mi­schen CDU-Urgesteins Hans-Josef Bracht, droh­te nach 25 Jahren aus dem Landtag zu flie­gen. Da die CDU 39 Direktmandate gewin­nen konn­te, „zog“ sein Listenplatz drei nicht. Lammert, muss­te also das Direktmandat in einem seit vie­len Jahren von der SPD domi­nier­ten Wahlkreis gewin­nen, damit er im Landtag bleibt und sei­ne poli­ti­sche Laufbahn als Landtagspräsident krö­nen kann. Die Chancen waren nicht son­der­lich groß, bei bis­her fünf Landtagswahlen hat­te Lammert immer das Nachsehen. Am Ende herrsch­te gren­zen­lo­ser Jubel bei ihm und sei­nen Parteifreunden: Mit dem denk­bar knap­pen Vorsprung von 66 Stimmen gewann er das Direktmandat.

Auch Tobias Vogt hat Matthias Lammert die Daumen gedrückt, der über die Parteigrenzen hin­weg hoch­ge­schätzt wird. Dann aber blick­te Voigt auf sei­ne Arbeit vor Ort. „Ich hat­te für mich mit einem knap­pe­ren Ergebnis gerech­net, dass es jetzt mehr als 13 Prozent Vorsprung gewor­den sind, freut mich natür­lich rie­sig. Dieses Ergebnis ist für mich Ansporn und Motivation, mei­nen Wahlkreis bes­tens in Mainz zu ver­tre­ten“, sagt Vogt gegen­über dem RHA. „Ich ver­ste­he mich als Lobbyist für die Menschen mei­ner Heimat“, fuhr er fort und blieb auch in den Stunden des Wahlerfolges ange­nehm zurück­hal­tend. „Ich ver­ste­he mich sehr gut mit fast allen Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion. Ich bin fest davon über­zeugt, dass wir als CDU gemein­sam mit der SPD gut regie­ren kön­nen“, blick­te er bereits am Wahlabend nach vorn. Den Blick nach vorn rich­te­te er aber bereits am Wahlabend nicht aus­schließ­lich nach Mainz. „Ich arbei­te natür­lich auch kom­mu­nal­po­li­tisch wei­ter. Dies ist unglaub­lich wich­tig für mei­ne Arbeit als Landtagsabgeordneter“, so Tobias Vogt. Am Montag war er dann als Kreistagsabgeordneter in Simmern, am Dienstag in der Fraktion in Mainz. Für Voigt gehört bei­des zusammen.