Region. Seit mittlerweile acht Jahren ist Axel Henke Leiter des Fortsamtes Boppard. Er selbst wundert sich etwas, wie schnell diese Zeit vergangen ist. Vielleicht liegt es an der intensiven Arbeit, die Axel Henke Tag für Tag mit seinem Team für den Wald aufwendet.
Das Gebiet, für das das Forstamt Boppard zuständig ist, ist mit einer Gesamtwaldfläche von 19.312 Hektar riesig. Ein Drittel davon liegt im Kreis Mainz-Bingen, zwei Drittel befinden sich im Rhein-Hunsrück-Kreis. Waldbesitzende im Forstamtsgebiet sind das Land Rheinland-Pfalz, 32 Kommunen, ein kommunaler Zweckverband, zwei größere Privatwaldbesitzer und Hunderte Kleinstprivatwaldbesitzer. Größte Waldbesitzer sind die Städte Boppard (3.070 Hektar) und Bingen (2.100 Hektar).
Im großen Sommerinterview unserer Zeitung mit Axel Henke wird deutlich, dass der Klimawandel das Ökosystem Wald stark belastet. Es gibt aber auch interessante Entwicklungen, beispielsweise bei den Eichen. „Bei einigen ist eine Revitalisierung zu beobachten“, sagt Axel Henke. „Das macht Mut. Es scheint so, als könne sich die Eiche an die Klimaveränderungen anpassen“, so der Forstamtsleiter. Das RHA-Sommerinterview im Wortlaut:
Ist unser Wald gut durch Winter und Frühjahr gekommen?
Henke: Von großen Schadensereignissen, die etwa Stürme verursachen können, sind wir verschont geblieben. Aber wir haben leider ein sehr trockenes Winterhalbjahr hinter uns. Von November bis jetzt gab es nur 300 Millimeter Niederschlag. Das ist im langjährigen Mittel extrem wenig. Für die heißen Sommermonate sind dies keine guten Voraussetzungen.
Wie tief sind denn die Böden durchnässt?
Henke: Bis etwa 40 Zentimeter Tiefe sind die Waldböden staubtrocken. Und darunter sieht es auch nicht rosig aus. Durch die viel zu geringen Regenmengen im Winterhalbjahr konnte die wichtige Grundwasserneubildung praktisch nicht stattfinden. Dies hat Auswirkungen, die wir auch bei der Trinkwasserversorgung spüren werden. Die Sommerniederschläge, die hoffentlich einigermaßen ausreichend fallen, können das nicht wettmachen, diese gehen in die Vegetation.
Müssen wir durch die Trockenheit wieder mit einer flächigen Verbreitung von Schädlingen rechnen, die den Wald bedrohen?
Henke: Die extreme Borkenkäferpopulation ist zusammengebrochen, ein normaler Vorgang. Insgesamt haben wir eine normale Schädlingsbelastung und keine Alarmsituation.
Wir können uns verstärkt der Pflege unserer jungen Kulturen widmen.
Was meinen Sie damit konkret?
Henke: Nach den großen Schäden durch Stürme und durch den Borkenkäfer haben wir in den vergangenen Jahren auf den Kahlflächen jeweils bis zu 200.000 junge Bäumchen gepflanzt. In diesem Jahr sind es wahrscheinlich nur noch rund 10.000. Unsere Hauptarbeit ist jetzt die Pflege der Kulturen. Wir müssen diese durch Freischneiden vor Konkurrenzpflanzen schützen.
Was sind denn Konkurrenzpflanzen, die jungen Bäumen das Überleben schwer machen?
Henke: Gräser, Brombeeren, Himbeeren, Farne, aber auch Fichten und Birken.
Kommen wir zu den „erwachsenen“ Bäumen im Forst. Wie geht es Buchen und Eichen?
Henke: Die Buchen haben sich nicht erholt, aber ihnen geht es auch nicht schlechter. Die extreme Buchenmast in diesem Jahr ist eine natürliche Maßnahme zur Artenerhaltung. Aber dies sorgt auch für Stress und belastet die Bäume erheblich. Auch für Waldbesucher ist das nicht ganz ungefährlich, denn die vollhängenden Äste können plötzlich abbrechen und herunterfallen. Bei den Eichen machen wir interessante Beobachtungen. Einige bilden unterhalb ihrer abgestorbenen Kronen neue Sekundärkronen. Diese Revitalisierung kann ein Hinweis darauf sein, dass die Eiche sich an die Klimaveränderung anpasst. Ich denke, das Höhenwachstum in unseren Wäldern wird abnehmen.
Welche Rolle spielt das Thema „Waldumbau“ im Bopparder Forst?
Henke: Wir berücksichtigen bei unserer Arbeit seit Jahren die Herausforderungen durch die Klimaveränderung. Die natürliche Waldverjüngung mit mehreren Schichten trägt dazu bei, dass wir das feuchte Waldklima erhalten. Auf Freiflächen haben wir verstärkt auf klimaresiliente Bäume wie Esskastanien, Eichen, Kirchen und Linden gesetzt. Unser Ziel ist es, dass wir unseren Wald als überlebenswichtiges Ökosystem und als deutenden Freizeitraum erhalten. Er ist auch so etwas wie der größte Kühlschrank durch die Verdunstungskälte.
Ärgert es Sie, dass zunehmend viele Menschen – zu Fuß und mit dem Fahrrad – im Wald unterwegs sind?
Henke: Nein. Es ist schön, dass viele Menschen den Aufenthalt im Wald schätzen. Wichtig ist nur, dass sie auf Wegen bleiben und keinen Müll hinterlassen. Außerdem sollten alle Verständnis dafür haben, dass im Forts gearbeitet wird. Wenn ein Weg abgesperrt ist, dann hat das immer auch einen Grund, der respektiert werden sollte.
Eine letzte Frage: Wie hat sich die Arbeit als Förster im Laufe der Jahre verändert?
Henke: Der Beruf ist technischer und digitaler geworden. Sehr wichtig ist eine gute Kommunikation mit Waldbesitzern, Politik und Bürgern. Auch wenn der Verwaltungsaufwand zugenommen hat, ist und bleibt die Arbeit im Wald und dort für den Wald das Wichtigste. Und das macht mir nach wie vor große Freude.



























