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Wasserknappheit wird zum Problem

Region. Nach einigen immer wieder zu niederschlagsarmen Jahren haben seit 2018 drei heiße und trockene Sommer in Folge dazu geführt, dass die Trinkwasserversorgung in einigen Region Deutschlands an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Wasser wird auch im vermeintlich wasserreichen Deutschland knapp.

Wasserknappheit wird zum ProblemDer in Bad Ems lebende Experte für Fragen rund um das Wasser, Prof. Dr. Ulrich Roth, hält verantwortliches Handeln für dringend geboten. „Dazu gehört in jedem Fall der konsequente Schutz der Grundwasserressourcen vor negativen Einflüssen aus der Oberflächennutzung“, sagt Dr. Roth. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass wir es im Zuge des Klimawandels häufiger mit sehr heißen und sehr trockenen Sommern zu tun haben werden, ist es auch für den Wissenschaftler Roth schwierig, eine Prognose über die Auswirkungen auf den künftigen Wasserhaushalt zu geben. „Es gibt verschiedene Szenarien, auch regional gibt es sicher große Unterschiede“, so Roth, der mittelfristig, aber vor allem langfristig deutliche Veränderungen nicht ausschließt.

Die zum Teil in die Jahre gekommene Wasserversorgungs-Infrastruktur wird zunehmend erneuert und modernisiert. Doch auch neue und größere Behälter, die Erhöhung der Kapazität von Pumpwerken und die Möglichkeiten der Digitalisierung der gesamten Wasserversorgung können ein Problem nicht beseitigen: Insgesamt ist unser Verbrauch an Wasser viel zu hoch. In Deutschland verbraucht jeder Mensch durchschnittlich 120 Liter Wasser pro Tag im Haushalt für Kochen, Putzen und Duschen, die Toilettenspülung, die Wasch- und Spülmaschine.

„Auch Quellen und Brunnen versiegen,
wenn man zu oft und zu viel aus ihnen schöpft.“
Demosthenes, etwa 350 vor Christus, griechischer Staatsmann

Doch die tatsächliche Menge ist um ein Vielfaches höher. Rechnet man den Verbrauch für die Herstellung von Nahrungsmittel und Güter mit ein, die wir konsumieren, gehen Experten von rund 4.000 Liter pro Person und Tag aus. Zwei Beispiele: Für die Herstellung eines Shirts aus Baumwolle werden 2.500 Liter Wasser verbraucht, für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter.

Obwohl Deutschland in einer gemäßigten Klimazone liegt und bisher die Grundwasserneubildung für unseren Trinkwasserbedarf ausreicht, droht dieses wunderbare Gleichgewicht zu kippen. In heißen Sommern steigt der Wasserbedarf zunehmend, gleichzeitig nimmt beobachtbar die verfügbare Wassermenge in oberflächennahen Gewinnungsanlagen (Quellfassungen, Schürfungen und Stollen) ab. Dies ist in den Mittelgebirgen unserer näheren Umgebung – Hunsrück, Westerwald, Taunus und Eifel – feststellbar.

Als Laien spüren wir von der zunehmenden Wasserknappheit bisher wenig: Wir können bisher jederzeit die Wasserhähne aufdrehen und schon fließt Wasser in bester Trinkqualität zu erstaunlich günstigen Preisen. Doch die Folgen zunehmender Wasserknappheit, sinkender Grundwasserspiegel und bis in die Tiefe trockener Böden sind sichtbar. Unsere Wälder sterben flächig in Folge des Trockenstresses, und einige Bäche und Teiche sind in den Sommermonaten fast wasserlos.

„Wassermangel ist die größte Krise,
über die niemand spricht.“
Andrew Steer, August 2019,
Chef des US-Thinktanks World Resources Institute

Ein Umdenken unseres Lebensstils scheint dringend notwendig zu sein. Industrie und Landwirtschaft müssen ihren Verbrauch reduzieren und das Wasser für Kühlungsprozesse und Bewässerungen ökologisch verantwortbar einsetzen. Der Wasserknappheit kann mit naturnaher Bodennutzung und Wasserrückhaltung begegnet werden. Daneben sind konkrete Rückhaltemaßnahmen sinnvoll – für den Bereich des Bopparder Hamm beispielsweise laufen entsprechende Überlegungen.

Und der Forst steht vor der Herkulesaufgabe, beim Waldumbau steigende Temperaturen und Trockenheit im Blick zu haben.

Privatpersonen müssen bewusst mit dem kostbaren Gut Wasser umgehen. Während der Corona-Pandemie ist leider durch Homeoffice, Kurzarbeit und dem Rückzug ins Private das Gegenteil passiert. „Die Menschen haben verstärkt ihre Freizeit genutzt, indem sie im Garten gearbeitet haben, Swimmingpools gebaut oder sich zu Hause ein Fitnessstudio oder eine Sauna eingerichtet haben“, sagt Dr. Ulrich Roth. „Dies hat den Wasserverbrauch in den Wohngebieten erhöht.“

Es scheint also Gebot der Stunde, dass wir unseren täglichen Wasserverbrauch verringern. Daran müssen wir alle denken – immer dann, wenn wir einen Wasserhahn aufdrehen. [za]

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