Start Aktuell Personalexodus stellt Gastronomen vor Probleme

Personalexodus stellt Gastronomen vor Probleme

Schlimme Folgen des Lockdowns

Region. Noch immer überwiegt in der Hotel- und Gaststättenbranche das Gefühl der Erleichterung, dass es nach den vielen Wochen der Zwangsschließungen im Zuge der Maßnahmen gegen die unkontrollierbare Verbreitung des Coronavirus endlich wieder Gäste kommen können. Doch obwohl Touristiker eine insgesamt gute Saison prognostizieren, weil ein Trend zum Urlaub im eigenen Land feststellbar ist, sind Gastronomen und Hoteliers alles andere als euphorisch. Grund ist ein erheblicher Mangel an Fach- und Aushilfskräften.

Josef Mayer; DEHOGA-Kreisverband Rhein-HunsrückJosef Mayer, erfahrener Gastronom aus Boppard und Kreisvorsitzender im Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), hatte schon vor Monaten im Gespräch mit der Redaktion des Rhein-Hunsrück-Anzeigers die Befürchtung geäußert, dass der Branche während der Coronapandemie das Personal abhanden könnte. Genau diese Befürchtung scheint jetzt Realität geworden zu sein. Ausgerechnet in den serviceorientierten Restaurants und Hotelbetrieben fehlt es an Fachkräften und die Gewinnung von „altem“ und neuen Personal ist mehr als schwierig. Experten sprechen von einem Personalexodus, der die Hotel- und Gastronomiebranche ins Mark trifft. 

Grund dafür: Viele ausgebildete Fachkräfte, aber auch Aushilfen haben sich während des Lockdowns „umorientiert“ und längst zuverlässige Beschäftigungen bei anderen Arbeitgebern gefunden. Selbst wenn in der Feriensaison die Zahl der Gäste vermutlich deutlich zunimmt, wird es bei Wirtsleuten und Hoteliers sorgenvolle Gesichter geben. Nachdem die meisten Ihre Betriebe auch dank staatlicher Hilfsprogramme durch die Coronakrise retten konnten, wird es jetzt schwierig, die Gäste zu bedienen und zu verwöhnen.

Köche und Küchenhilfen, Servicekräfte an der Theke und Bedienungen, Personal an Rezeptionen und auch für den Zimmerservice – überall fehlt notwendiges Personal. Die Gründe, warum viele der Branche den Rücken gekehrt haben, sind „systembedingt“: Wenig attraktive Arbeitszeiten mit vielen Arbeitsstunden an Abenden und an den Wochenenden sind wohl ausschlaggebend. Zwar gibt es in Industriebetrieben beispielsweise keine „Trinkgelder“, dafür hat man aber ein kalkulierbares Monatseinkommen. Schätzungen gehen davon aus, dass fast zehn Prozent der Fachkräfte der Hotel- und Gastrobranche den Rücken gekehrt hat.

Schlimm ist auch, dass es extrem schwierig geworden ist, Aushilfskräfte zu bekommen. Vor allem in der Region Koblenz macht es sich bemerkbar, dass an Uni und Hochschule nicht in gewohnten Präsenzbetrieb gelehrt wird, denn studentische Hilfskräfte sind derzeit kaum zu finden.

DEHOGA und Touristiker habe das Problem des Personalexodus erkannt. Sie wollen mit Imagekampagnen in die Offensive gehen und für Arbeitsplätze werben. Gut möglich, dass dies etwas bringen wird. Noch wichtiger aber wird sein, dass die Wirtsleute kreative Lösungen für attraktivere Arbeitsbedingungen finden und dass das Coronavirus dauerhaft „mitspielt“.

Kontakt

    • Ihr Name (Pflichtfeld)

      Ihre E-Mail Adresse (Pflichtfeld)

      Betreff (Pflichtfeld)

      Ihre Nachricht