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Lieferengpässe gefährden Aufschwung

Region. Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Cornonavirus sinkt, die Zuversicht für einen starken Konjunkturaufschwung im zweiten Halbjahr steigt. Die Laune in den Chefetagen der Unternehmen hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verbessert. In fast allen Branchen von Industrie und Handel, Handwerk, Tourismus und Gastgewerbe rechnet man mit guten Geschäften. Sorgen nicht neue Coronamutanten in Kombination mit leichtsinnigem Verhalten der Bevölkerung für weitere gefährliche Infektionswellen, die erneut Shut- und Lockdowns notwendig machen würden, sind die Perspektiven gut. 

Lieferengpässe gefährden AufschwungDas Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) hat in seinem jüngsten Geschäftsklimaindex eine optimistische Stimmungslage wie seit langem nicht beschrieben. Die Voraussetzungen, dass die Wirtschaft sehr schnell wieder in die Erfolgsspur kommt, sind günstig. Die in vielen Haushalten größer gewordenen Ersparnisse, Nachholeffekte und die Freude am Konsumieren nach Monaten der Einschränkungen sprechen dafür, dass die schwerste Krise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erstaunlich zügig überwunden werden könnte.

Doch es gibt auch Entwicklungen, die den erhofften Aufschwung verzögern und gefährden können: Lieferengpässe und schnell und stark steigende Rohstoffpreise gefährden die wirtschaftliche Erholung. Die Versorgung mit Zubehörteilen, Materialien und fertig produzierten Produkten gestaltet sich aktuell zunehmen schwierig. Internationale Lieferketten sind gestört. Auch Betriebe in unserer Region und Kunden und Verbraucher bekommen dies zu spüren.

Lieferengpässe gefährden Aufschwung

Es scheint paradox zu sein: Trotz voller Auftragsbücher und einer starken Nachfrage von Kunden machen sich Handwerksbetreibe, Bauunternehmen, Gartenfachmärkte und Einzelhandel Sorgen. Grund: Nationale und internationale Lieferketten sind gestört. Gleichzeitig ist ein erbitterter Konkurrenzkampf um knappe Waren ausgebrochen, der die Preise kaum noch kalkulierbar in die Höhe treibt. Außerdem führt die weltweit anspringende Konjunktur zu einem erhöhten Energiebedarf, der die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel Tag für Tag ansteigen lässt. Auch Betriebe in der Region spüren diese Entwicklungen.

Joachim Windheuser, Chef des renommierten Bopparder Unternehmens Windheuser & Esper, kann ein Klagelied zum Thema Materialverfügbarkeit anstimmen. Im Tagesgeschäft spürt man in dem Bauunternehmen, das neben schlüsselfertigen Bauen auch Spezialist für Elektroarbeiten und Innenausbau ist, dass einige Materialien schwierig oder nicht mehr zu bekommen sind. „Generell haben auch wir mittlerweile in fast allen Bereichen enorme Probleme Material zu bekommen. Außerdem ist es kaum möglich, Preise zu kalkulieren. Viele Produkte haben Tagespreise“, so Joachim Windheuser.

Lieferengpässe gefährden AufschwungUnd da die Preise derzeit nur die Richtung nach oben kennen, ist es für Unternehmen riskant, wirtschaftlich vernünftige Angebote zu machen. Für die Lieferengpässe im Baubereich sind verschiedene Gründe verantwortlich. Das Bauholz wird aufgrund starken Borkenkäferbefalls und Aufkäufe aus den USA knapp und immer teurer. Die Preise für das in riesigen Mengen vorhandenen Käferholzes sinken. Doch für Baukonstruktionen ist es nicht geeignet. 

Nicht nur Bauholz fehlt, auch Metalle und Kunststoffe werden mehr und mehr zu Mangelwaren. Das Heizungs-, Sanitär- und Elektrohandwerk hat zunehmend Schwierigkeiten, Aufträge der Kunden zu erfüllen. „Bei Reparaturarbeiten im Heizungs- und Sanitärbereich fehlen immer öfter notwendige Ersatzteile“, klagt ein Handwerksmeister aus dem benachbarten Rhein-Lahn-Kreis. „Die Einkaufspreise für Materialien explodieren und Lieferengpässe sind an der Tagesordnung.“

Lieferengpässe gefährden Aufschwung

Ingo Schwanenberger, Inhaber des Bopparder Gartenfachmarktes BOGAMA, sagt im Gespräch mit dem RHA: „Wir können deutlich mehr Umsatz machen, wenn wir wie gewohnt unserer Kundschaft unsere Produktpalette anbieten könnten. Doch in Teilbereichen sind wir praktisch abgebrannt.“ Der erfahrene Gartenbauexperte registriert bei Einkäufen und bei Versteigerungen von Balkonpflanzen und Blumen hohe und steigende Preise.

„Zimmerpflanzen und Gehölze sind weg und derzeit nicht zu bekommen“, so Schwanenberger. Kurios auch, dass es kaum noch Pflanzerde gibt. „Es sind einfach keine Säcke mehr da“, so Schwanenberger, der auch im Bereich der Accessoires (Keramik, Töpfe, Kunststoff-Kästen) die Lieferengpässe heftig spürt. „Ich bin trotz der aktuellen Situation nicht pessimistisch und hoffe, dass sich die Situation bald wieder normalisiert“, sagt Ingo Schwanenberger. [za]

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