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Kleine Bäche können reißende Gewässer werden

Boppard/Region. Die Bilder der Flutkatastrophe, die im Ahrtal, der Eifel, im Raum Trier und in Nordrhein-Westfalen für Tote, Verletzte und verheerende Schäden gesorgt hat, haben uns alle schockiert. Unsere Region ist glücklicherweise von apokalyptischem Starkregen verschont geblieben. Aber das Bewusstsein, dass sich auch hier Katastrophen wie jüngst im Ahrtal ereignen können, ist da. Die Themen Katastrophen- und Hochwasserschutz werden intensiv diskutiert, auch Starkregenkonzepte werden auf Basis neuster Erkenntnisse überarbeitet oder auch neu erstellt.

In Boppard ist man aufgrund der Lage am Rhein und den Erfahrungen mit Hochwasserlagen insgesamt gut aufgestellt. Hier gilt wie fast überall an Rhein, Mosel und auch Lahn, dass Feuerwehren, die in der Region beheimateten Ortsvereine des THW und vor allen auch die Menschen aufgrund ihrer Erfahrungen routiniert mit Hochwasserlagen umgehen. Doch bei Starkregenereignissen wie im Ahrtal wären auch hier Katastrophen kaum zu verhindern. „Das Problem sind die kleinen Bäche in den Seitentälern. Bei Extremregenfällen drohen sie zu gefährlichen reißenden Gewässern zu werden“ sagt Boppards Bürgermeister Dr. Walter Bersch.

Hier hat das Wasser keine Möglichkeiten sich „auszudehnen“. Eine Einschätzung, die von Experten landauf, landab geteilt wird: Bei Extremregenfällen können kleinere Bäche zu reißenden Gewässern werden. Mit einem Starkregenkonzept, dass bereits vor der jüngsten Flutkatastrophe in Auftrag gegeben wurde, will man in Boppard dafür sorgen, dass man die Gefahr für Leib und Leben zumindest deutlich verringern kann.

Starkregenkonzept soll Boppard sicherer machen

In Boppard erinnert man sich noch an das Hochwasser im Mühltal im Jahr 1980. Aber auch Bruder-Michelsbach, Salziger Bach, und Patelsbach führen nach Gewittergüssen enorme Wassermengen. Nicht auszudenken, was Regenmenge von mehr als 200 Liter pro Quadratmeter, wie jüngst beispielsweise im Ahrtal, hier angerichtet hätten …

Die Stadt Boppard hat bereits vor der Flutkatastrophe im Ahrtal ein Ingenieurbüro damit beauftragt, für die Ortsbezirke am Rhein einschließlich Buchenau Untersuchungen durchzuführen, die im Ergebnis in einem Starkregenkonzept münden. „Wir müssen Gefahren frühzeitig richtig einschätzen und dann schnell und entschlossen handeln“, sagt Dr. Walter Bersch.

Das Land Rheinland-Pfalz hat Starkregenkonzepte bereits mit insgesamt 16 Millionen Euro gefördert, auch die Kosten für das Bopparder Konzept werden zu 90 Prozent übernommen. „Unser Konzept wird neben einer Gebietsanalyse und wissenschaftlichen Berechnungen durch die Planer auch Experten der Fachbehörden und die Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger einbeziehen“, setzt Dr. Walter Bersch auf eine möglichst breite Unterstützung. Auf der Homepage der Stadt haben Bopparder deshalb die Möglichkeit, als „örtliche Experten“ Fragen zu beantworten.

Obwohl man in Boppard die Gefahren erkannt hat und mit dem Starkregenkonzeptes einen wichtigen und zweifelsfrei richtigen Schritt unternimmt, steht fest: Die Gefahr schwerer Unwetter bleibt bestehen. Deshalb muss über technische Lösungen für ein möglichst perfektes Frühwarnsystem ebenso nachgedacht werden wie über Führungs- und Koordinierungsstrukturen, die in einer Gefahrenlage ein schnelles und effizientes gemeinsames Handeln von haupt- und ehrenamtlichen Hilfsorganisationen inklusive Landes- und Bundespolizei und Bundeswehr garantieren.

Schutzmaßnahmen und Notpläne

In gefährdeten Wohnlagen muss man überlegen, ob Schutzmaßnahmen machbar und sinnvoll sind. Ganz wichtig aber ist, dass es örtliche Notpläne gibt, damit Bürger sich in einer plötzlichen Hochwassersituation richtig verhalten und sich nicht von Angst und Panik getrieben zusätzlich gefährden.

Letztlich geht es aber auch darum, dass wir verantwortungsvoll mit unserer Natur und Siedlungsflächen umgehen. Bebauungspläne und Kanalisation müssen mögliche Starkregenereignisse berücksichtigen. Rückhaltebecken und Überflutungsflächen, die Renaturalisierung von Bächen und die Entsiegelung von Flächen sind nur einige Maßnahmen, die gegen extreme Hochwasserlagen schützen. Es geht auch um Waldumbau, den Anbau neuer Getreidesorten und Nutzpflanzen, ein verbessertes Energie- und Trinkwassermanagement und vieles mehr. „Die Flut im Ahrtal hat unsere Vorstellungskraft gesprengt“, sagt Dr. Walter Bersch. „Die Flut im Ahrtal hat uns aber auch gezeigt, dass wir handeln müssen.“

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