Boppard/Koblenz. Die Zukunft des zum Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein (GKM) gehörenden Bopparder Krankenhauses hängt am seidenen Faden. Nach monatelangen Gesprächen, Verhandlungen, und „Runden Tischen“ deutet derzeit nichts darauf hin, dass die GKM-Hauptgesellschafter – die Stadt Koblenz und der Landkreis Mayen-Koblenz – wirklich Interesse am Fortbestand des Bopparder Krankenhauses haben. Obwohl eine finale Entscheidung der Gesellschafterversammlung verschoben worden ist, hat Marko Boos (Landrat des Kreises Mayen-Koblenz) auf Medienanfrage klargestellt: Die Verschiebung habe nichts damit zu tun, dass man noch mal überlege. Das Aus für den Standort Boppard sei beschlossen, da der Landkreis Mayen-Koblenz als einer der Hauptgesellschafter nicht bereit sei, ein Krankenhaus im benachbarten Rhein-Hunsrück-Kreis zu finanzieren.
Ungebrochen kämpferisch
In Boppard, allen voran in der Belegschaft des Krankenhauses Heilig Geist, will man sich natürlich mit dem Szenario der sich abzeichnenden Schließung nicht abfinden. „Wir nutzen die Zeit bis zum Termin der verschobenen Gesellschafterversammlung“, sagt Bärbel Friedrich. Die Betriebsratsvorsitzende, die seit 43 Jahren im Bopparder Krankenhaus arbeitet, gibt sich ungebrochen kämpferisch. „Wir schütteln alle wach. Mit Briefen und E‑Mails an den Gesundheitsminister in Mainz, die Landräte in Simmern und Koblenz, Bürgermeister und Oberbürgermeister und alle am Entscheidungsprozess Beteiligten appellieren wir für den Erhalt unseres Krankenhauses“, so Bärbel Friedrich gegenüber dem Rhein-Hunsrück-Anzeiger.
Bei einer weiteren Kundgebung in Boppard wurde deutlich, dass die Belegschaft nicht alleine dasteht. Auch zahlreiche Bürger hoffen, dass eine Schließung des Krankenhauses noch verhindert werden kann.
„Im Fall einer Schließung bestünde eine 75 Kilometer lange medizinische Versorgungslücke zwischen Bingen und Koblenz“, so Bärbel Friedrich. „Wir glauben an das Zukunftskonzept, wir vertrauen auf unsere Leistungen und Qualitäten. Der Rhein-Hunsrück-Kreis und die Stadt Boppard sollten mit Blick auf eine Standortsicherung runter mit den Forderungen in Richtung GKM“, sagt die Betriebsratsvorsitzende gegenüber unserer Zeitung.
Zum Hintergrund: Nachdem der Rhein-Hunsrück-Kreis und die Stadt Boppard zur Krankenhaus-Rettung bereits von 2024 bis Ende 2025 im Zuge eines Betrauungsaktes GKM-Defizite am Standort Boppard „geschultert“ haben, gaben Kreis und Stadt nach Verhandlungen grünes Licht dafür, auch für 2026 und 2027 jeweils eine Million Euro für die Übernahme von Defiziten beizusteuern. Als Gegenleistung forderte die „Hunsrücker Seite“ vom GKM eine Betriebs- und Trägergarantie bis 2032 und erklärte, dass der Verlustausgleich durch den Kreis mit dem Termin 31. Dezember 2027 endet. Außerdem wird er keine Träger- und Gesellschafteranteile übernehmen – weder jetzt noch in Zukunft. Die kommunalen GKM-Gesellschafter lehnen dies kategorisch ab. Sie wollen, dass aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis über das Jahr 2027 hinaus „gezahlt“ wird und obendrein Trägeranteile übernommen werden.
Nicht verhandelbar
„Diese Erwartungen sind mit unseren Beschlüssen nicht vereinbar und damit nicht verhandelbar“, so die klare Aussage des Simmerner Kreischefs, Landrat Volker Boch.
Nicht alle, die für die Zukunft des Bopparder Krankenhauses eintreten, können diese Haltung verstehen. Aber Fakt ist, dass der Rhein-Hunsrück-Kreis, der mit dem Krankenhaus in Simmern einen „Grundversorger“ für die Region hat, nicht verpflichtet ist, Millionen für das Bopparder Krankenhaus freizugeben. Angesichts einer angespannten Haushaltslage ist eine beträchtliche „Freiwillige Leistung“ für Boppard nur schwer zu rechtfertigen.
Fazit des RHA: Stand heute sieht es düster aus um die Zukunft des Bopparder Krankenhauses. Die konträren Erwartungen der GKM-Protagonisten in Koblenz und die der Hunsrücker Seite scheinen kaum Kompromisse zuzulassen.

