Start Aktuell Corona Teurer Kraftakt gegen die Virusverbreitung

Teurer Kraftakt gegen die Virusverbreitung

Region. Seit Montag ächzen einige Branchen unter dem Teil-Lockdown: Um eine unkontrollierbare Zunahme des Corona-Infektionsgeschehens zu verhindern, müssen beispielsweise Restaurants und Gaststätten, Kinos, Theater und Museen, Fitness- und Kosmetikstudios, Schwimmbäder und Saunen bis Ende November schließen. Hotels und Gastronomie können bestenfalls auf kleinster Sparflamme arbeiten: Touristische Übernachtungen fallen weg und einige Gastronomen werden versuchen, mit Außerhausverkauf und Bringservice von Gerichten den Totalausfall etwas abzufedern. Keine Frage: Für viele Unternehmen, Künstler und sogenannte Solo-Selbstständige haben 29 harte Tage begonnen.

Olympia

Als die Nachricht vom Ausmaß der Einschränkungen, die die deutschen Ministerpräsidenten einstimmig tragen, am Mittwoch vergangener Woche publik wurde, war das für einige wie ein Schock. „Wir verfallen aber nicht in Schockstarre. Das käme einer Aufgabe gleich“, sagt Josef Mayer, Vorsitzender der DEHOGA im Rhein-Hunsrück-Kreis. „Als DEHOGA haben wir uns aber umgehend bei der Politik für unsere Betriebe stark gemacht und auch juristische Möglichkeiten geprüft.“ Josef Mayer betont, dass vom Lockdown der Gastronomie auch die Zulieferer der Region stark betroffen sind. „Aber wir werden Lösungen finden und stehen in der Krise zusammen“, sagt der frühere Chef des Landgasthofs „Eiserner Ritter“ in Boppard-Weiler.

Eiserner Ritter

Das, was die Bundesregierung für die Hotel- und Gaststättenbranche und alle anderen leidtragenden  betroffenen Unternehmer des November-Lockdowns jetzt beschlossen hat, kann sich durchaus sehen lassen. Mit einem im internationalen Vergleich beispiellosen finanziellen Kraftakt werden rund 10 Milliarden Euro freigemacht, mit denen das Überleben von Betrieben und den Geschäften der betroffenen Solo-Selbstständigen gesichert werden soll.

Der November-Lockdown:

Teurer Kraftakt gegen die Virusverbreitung

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat den in der Gesprächsrunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den anderen 15 Länderchefs beschlossenen Maßnahmenkatalog mit der mittlerweile 12. Corona-Bekämpfungsverordnung umgesetzt. Deshalb gelten seit Montag nicht nur die Schließungen ganzer Branchen (siehe Seite 1), sondern auch klare Regeln der Kontaktbeschränkung. Der Sportbetrieb in den Vereinen muss ruhen, im öffentlichen Raum und auch im Privatbereich dürfen sich nur noch maximal zehn Personen aus zwei Haushalten treffen. Darüber hinaus wird dringend empfohlen, auf Feierlichkeiten zu verzichten. Außerhalb von Privatwohnungen sind Feiern, Veranstaltungen und Party verboten, auch Hochzeitsfeiern sind grundsätzlich untersagt.

Die Politik hat mit den Beschlüssen zum November-Lockdown sehr sachlich auf die Einschätzung von Wissenschaftlern, Experten und den Warnungen von Intensivmedizinern reagiert. Ziel ist, das zuletzt rasant steigende und kaum noch kontrollierbare Infektionsgeschehen „zu brechen.“ Die Intention ist nicht, einzelnen Branchen zu schaden, sondern durch umfassende Kontaktbeschränkungen zu erreichen, dass ein kompletter Lockdown und Ausgangssperren wie in anderen europäischen Ländern verhindert werden können.

Den betroffenen Firmen wird man finanziell helfen, bei der Bevölkerung wirbt die Politik für Verständnis für die Einschränkungen. Klar ist: Wenn sich die Gesellschaft nicht solidarisch und verantwortungsvoll verhält und nicht konsequent die jetzt gültigen Maßnahmen mit umfassenden Abstands- und Hygieneregeln beherzigt, droht ein verheerendes wirtschaftliches Desaster. Mediziner befürchten darüber hinaus viele Kranke und Tote.

Geld für Unternehmen

An die Vernunft der Menschen in der Coronakrise kann die Politik nur appellieren, den Unternehmen kann man finanziell helfen. Mit rund zehn Milliarden Euro sollen kleinere Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern bis zu 75 Prozent ihres Umsatzes vom November vergangenen Jahres erstattet bekommen. Größere Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern können bis zu 70 Prozent des November-Umsatzes 2019 erhalten. In Kombination mit dem Instrument Kurzarbeit soll das Überleben der Unternehmen gesichert und Arbeitslosigkeit verhindert werden.

Trotz dieser Maßnahmen ist die Stimmung alles andere als gut. Existenzängste, Verzweiflung, Enttäuschung und auch vereinzelt Wut auf den November-Lockdown beschreiben die Gefühlslage von Unternehmern betroffener Branchen. Angela Thomas, Chefin der bekannten Beauty Lounge in Büchenbeuren, bringt sicherlich auch stellvertretend für andere Betreiber von Schönheitssalons und Kosmetikstudios den Frust auf den Punkt. „Wir haben in unserem Dayspa mit Kosmetikschule am Flughafen Hahn alle Vorbereitungen getroffen, um möglichst gut durch den Lockdown zu kommen“, sagt Angela Thomas und fügt unmissverständlich hinzu: „Ich habe kein Verständnis für diese aus meiner Sicht willkürlichen Maßnahmen gegen die Kosmetikbranche. Uns ist klar, dass man gegen das Virus etwas unternehmen muss, aber warum ausgerechnet wir erneut schließen müssen, ist nicht nachvollziehbar. Alle Hygieneregeln wurden in den Studios beispielhaft gut umgesetzt.“

Leidtragende des November-Lockdowns sind auch alle haupt- und ehrenamtlichen Kulturschaffenden, Künstler und Veranstaltungstechniker.

„Das ist sehr, sehr ärgerlich“, sagt Thomas Biersch vom Kulturzentrum am Park (ZAP) in Emmelshausen. „Wir sind im September wieder gestartet und haben im Oktober fast alle Termine durchgeführt. Mit einem sicheren Hygienekonzept, was uns auch von Künstlern und Besuchern bestätigt wurde. Auch im November hätten 15 der 20 Termine stattgefunden“, so Biersch. Doch unterkriegen lassen sich die engagierten Emmelshausener „Kulturmacher“ nicht. „Wir verlegen jetzt die November-Termine, planen normal weiter. Sobald es wieder erlaubt ist, werden wir am Start sein“, so Biersch.

Wolfgang Hirsch und Pietro Putignano, Inhaber von Olympia Fitness-Sport, sind auch alles andere als begeistert. „Studien belegen, dass die Hygienekonzepte in Sportstätten höchst wirksam sind. Die Inzidenz liegt demnach in Fitnessstudios bei 0,78 pro 100.000 Mitglieder. Demnach fehlt für den Lockdown unserer Branche jegliche faktische Grundlage“, sagen die beiden Fitness-Studio-Chefs unisono. „Unsere Hygienekonzepte sind sehr weitreichend. Wir halten die Schließung der Fitnessstudios für völlig unangebracht.“

Der November-Lockdown ist Fakt: Es gibt keine Garantien, aber wenn alle mitziehen, können wir die Infektionszahlen hoffentlich so weit drücken, dass wir eine fast normale Vorweihnachtszeit erleben können und die Festtage gewohnt im Kreis der Familie verbringen.

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