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Bürgermeisterkandidaten: Video-Talkrunde mit dem RHA

Boppard. Am Sonntag, 14. März, wird ein Nachfolger für Boppards langjährigen Bürgermeister Dr. Walter Bersch gewählt. Die Tatsache, dass sich mit Jörg Haseneier (CDU), Niko Neuser (SPD) und Philipp Loringhoven (parteilos) gleich drei Kandidaten zur Wahl stellen, ist bereits ein Gewinn für Boppard. Denn längst ist es keine Selbstverständlichkeit mehr, dass das Wahlvolk bei Entscheidungen auf kommunaler Ebene noch die „Auswahl“ hat.

Videotalk mit den Bürgermeisterkandidaten

Respektvoll und fair
In Boppard ist dies erfreulicherweise der Fall. In einer Video-Talkrunde mit dem RHA stellten sich die drei Kandidaten den Fragen der Redaktion und bewiesen, dass sie neben Orts- und Fachkenntnissen auch klare Vorstellungen davon haben, was für Boppard und seine Einwohnerschaft zu tun ist.

Positiv auffallend: Die drei Bürgermeisterkandidaten begegnen sich voller Respekt und Wertschätzung. Bei aller Entschlossenheit, mit der das Trio den Wahlkampf in den kommenden Wochen mit Sicherheit bestreiten wird, scheint Fairness bei den Kandidaten garantiert. Es sieht ganz so aus, als könnten sich die Bürgerinnen und Bürger auf einen spannenden Wahlkampf freuen, bei dem es um Inhalte geht und nicht um Auseinandersetzungen und Konfrontationen aus Prinzip.  

Während der Talkrunde in absolut freundlicher Atmosphäre haben Jörg Haseneier, Niko Neuser und Philipp Loringhoven jedenfalls überzeugend den Eindruck erweckt, dass ihnen das Wohl der Stadt und ihrer Menschen am Herzen liegen. In Boppard kann man sich auf den Wahlkampf freuen und darf zuversichtlich der Zeit nach der Amtseinführung des neuen Stadtchefs im kommenden November entgegensehen.

Boppard. In der Video-Talkrunde wurden die drei Bürgermeisterkandidaten mit Fragen konfrontiert, die Sie spontan und unvorbereitet beantworteten. Auffallend: Auch bei Themen, die im Stadtrat für heftige Kontroversen Anlass sind, reagieren die Kandidaten ruhig und souverän. Im Folgenden ein kleiner Auszug des Redaktionsgesprächs.

Mehrgenerationenpark
Den Park begrüßen Haseneier, Neuser und Loringhoven unisono. Neuser sieht mit dem entstehenden Mehrgenerationenpark das, was sich Ortbeirat, Jugendrat und Seniorenrat schon lange gewünscht haben, erfüllt. Der Sozialdemokrat bedauert, dass zuletzt die Diskussionen um Veranstaltungsbühne und Skaterbahn nicht sachlich geführt wurden. Loringhoven stimmt dem zu und sagt: „Sollte die Skateranlage nicht kommen, wäre es die einzig logische Konsequenz, dass man den Jugendrat auflöst.“ Auch der CDU-Kandidat Haseneier vermisst Sachlichkeit in der Diskussion um die Rheinanlagen als „dem Filetstück“ der Stadt Boppard und wünscht sich ein aufeinander zu gehen.

Doch wie sieht es außerhalb des künftigen Mehrgenerationenparks mit Angeboten für die Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis ins Seniorenalter aus? Haseneier tritt für Verbesserungen der Barrierefreiheit in der Stadt, ganz besonders in den Bahnhöfen ein, was auch seine beiden Mitbewerber ohne Wenn und Aber „unterschreiben“. Neuser sieht Boppard für Kinder und Jugendliche mit den bestehenden Sport- und Spielplätzen insgesamt recht gut aufgestellt, hält aber eine Verbesserung der Ausstattung der Jugendräume für erforderlich. Gut wäre seiner Meinung nach noch die Errichtung eines Kletterparks. Als ein Treffpunkt für alle Generationen sieht er nach Abschluss der Bauarbeiten das Bopparder Freibad und betont, dass er deshalb auch die Idee eines Ganzjahresbetriebes mit einem Hallenbad weiterhin nicht verwerfe. Neuser plädiert für eine weitere Belebung der kulturellen Angebote und bedauert die Verzögerungen beim Bau der Veranstaltungsbühne in den Rheinanlagen. Loringhoven stimmt dem zu, Barrierefreiheit fasst er aber deutlich weiter als beispielsweise Haseneier: Für ihn gehört auch eine Verbesserung des Öffentlichen Personen Nahverkehrs dazu, damit vor allem die älteren Mitbürger in den Ortsbezirken „mobil“ bleiben können. Er kann sich beispielsweise kreative Modelle mit Bürgerautos vorstellen. „Was die Mobilität angeht, ist noch Luft nach oben“, so Loringhoven.

Energieneutrale Stadt realisierbar?
Für Niko Neuser ist dies keine Fiktion, sondern Gebot der Stunde. Mit dem Klimakonzept der Stadt, das auch einen Klimaschutzmanager vorsieht, sieht der Bopparder Ortsvorsteher die Stadt bereits auf einen guten Weg. Boppard wird grüner werden. Loringhoven hält eine energieneutrale Stadt für notwendig. Darüber gebe es große Einigkeit im Stadtrat. „Es ist zwingend notwendig, dass Boppard nicht nur energieneutral, sondern klimaneutral wird. Es gibt dazu keine Alternative“, so der Kandidat.  Auch Haseneier stimmt dem zu. „Wir können keinen anderen Weg gehen.“ Er hält Förderungen durch den Staat bei Umsetzungen für erforderlich und plädiert bei allen Entscheidungen für vorausschauendes Handeln. „Es ist wirklich fünf vor zwölf.“

Benötigt Boppard neue Wohngebiete?
Niko Neuser antwortet ohne zu Zögern. „Definitiv. In Bad Salzig entstehen zurzeit mehr als 70 Bauplätze. In Boppard wäre ein mögliches Areal  beispielsweise rechts des Friedhofes absolut zu wünschen“, so Neuser.  Auch sein CDU-Konkurrent vertritt diese Position. „Wir müssen neue Wohngebiete ausweisen. Ich sehe darin eine gute Chance, die Einwohnerzahl positiv zu entwickeln. Vielleicht sollte man auch mal ein Wohngebiet ausschließlich für Holzbauweise ausweisen. Die zweitgrößte Steuereinnahme ist schließlich die Einkommenssteuer“, so Haseneier. Und auch Philipp Loringhoven steht voll und ganz für die Ausweisung möglichst zahlreicher Bauplätze in allen Ortsbezirken. „Wir haben erheblichen Bedarf. Jeder der bei uns wohnt, zahlt bei uns Einkommenssteuer und nicht in Emmelshausen und Koblenz. Ja, wir brauchen reichlich Bauplätze, um die Abwanderung junger Familien zu stoppen“, stellt Loringhoven fest.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Wasser/Abwassergebühren in Zukunft?
„Im kommenden Jahr werden sie nicht erhöht. Aber wenn man sich die Haushaltspläne ansieht … In Kanalwerke sind Investitionskredite von fünf Millionen vorgesehen, Liquiditätskredite von einer Million und Verpflichtungsinvestitionskredite von 11 Millionen. Im Kanalbereich gibt es auch noch einen Sanierungsrückstau von etwa 28 Millionen Euro. Mit Blick auf diese  Investitionen in die Zukunft wird man auch als Bürger mit leichten Gebührenanstiegen rechnen müssen“, so Haseneier. Loringhoven rechnet nicht mit wesentlich steigenden Gebühren. „Wir lösen jetzt mit erheblichen Investitionen das Thema Abwasser für die nächsten 100 Jahre. Wir werden Kläranlagen abschalten. Wir werden die Unterhaltskosten dafür einsparen und mit einer vielfach effizienteren Technik vor Ort haben und sogar eine Rückgewinnung erzielen können. Die Wasser- und Abwassergebühren werden weitgehend stabil bleiben.“ Dazu Neuser: „Wir werden 28 Millionen Euro in eine neue Kläranlage in Bad Salzig investieren. Alle Ortsbezirke werden dort ihr Schmutzwassere hinleiten. Derzeit beträgt die Gebühr 2,90 pro Kubikmeter. Durch Effizienzsteigerung und Einsatz erneuerbarer Energien rechnen wir nicht mit massiven Steigerungen.“

In einigen Städten in Deutschland werden gezielt „Start-up-Areas“ ausgewiesen, um junge Unternehmen anzulocken. Wären Start-up-Areas auch für Boppard eine sinnvolle Idee?
Jörg Haseneier, der seit 25 Jahren selbstständig ist, hält dies für einen überlegenswerten und interessanten Ansatz. Man könnte mit einem solchen Gewerbegebiet jungen Unternehmern Chancen eröffnen. Gerade in der jetzigen Zeit sollte man Start-ups auch in Boppard unterstützen.

Ganz anders sehen die Loringhoven und Neuser. „Ich arbeite in der IT-Branche, hatte einige Jahre mein Büro im Technologie-Zentrum in Koblenz und habe viele mit Start-ups als Kunden. Meine klare Antwort: Mit einer Start-up-Area könnte man keine dieser jungen Betriebe nach Boppard locken“, so Philipp Loringhoven. „Boppard hat seine Qualitäten, aber für Unternehmen im Bereich der New Economy und IT. Start-ups legen im Rahmen ihrer Unternehmenskultur Wert beispielsweise auf Universitätsnähe, Parkplätze und Räumlichkeiten in einem Bürokomplex mit bester Infrastruktur. Ein Start-up möchte nicht auf die grüne Wiese, sondern in ein fertiges Nest.“ Niko Neuser stimmt dem zu. „Boppard als Silicon Valley light kann ich mir nicht vorstellen. Diese Unternehmen können sich grundsätzlich überall ansiedeln. Sie werden ihre Entscheidung an harten und weichen Standortfaktoren festmachen. Start-ups suchen Standorte mit einem großen Einzugsgebiet. Ich plädiere deshalb für eine klassisches neues Gewerbegebiet nahe der A61.”

Der RHA hatte den Kandidaten noch weitere Fragen in schriftlicher Form gestellt, die auch alle schon beantwortet wurden. Mit diesen Antworten startet der RHA im neuen Jahr dann mit einer jeweils einseitigen Kandidatenvorstellung zu Boppards Bürgermeisterwahl. Die Reihenfolge der Erscheinungstermine haben wir in unserem Pressemeeting bereits schon ausgelost: Niko Neuser, Philipp Loring­hoven und Jörg Haseneier.

Der RHA wünscht allen Kandidaten viel Erfolg und einen fairen Wahlkampf.

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