Start Aktuell „Alle freuen sich darauf wieder gute Gastgeber sein zu dürfen“

„Alle freuen sich darauf wieder gute Gastgeber sein zu dürfen“

DEHOGA-Kreisvorsitzender Josef Mayer im Interview

Josef Mayer; DEHOGA-Kreisverband Rhein-HunsrückRegion. Die gefühlt endlos lange Zeit, in der Gastronomen im Zuge der Maßnahmen gegen die unkontrollierbare Verbreitung des Coronavirus keine Gäste bewirten durften, ist zu Ende. Nachdem in einem ersten Lockerungsschritt die Außengastronomie öffnen durfte, folgen jetzt die Innenbereiche. Josef Mayer – Mitglied des Bopparder Stadtrates, weit über die Region bekannter Koch, Hotelier und Gastronom – ist nach seinem Rückzug aus „seinem“ Landgasthof in Weiler weiterhin der kompetente Ansprechpartner, wenn es um Fragen der Branche geht.

Der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) Rhein-Hunsrück beurteilt in einem Interview mit dem RHA die aktuelle Situation.

Wie viele Betriebe im Gebiet des DEHOGA Rhein-Hunsrück haben vermutlich die Lockdowns nicht überlebt?

Josef Mayer: Mir ist im Kreisgebiet zurzeit nur eine coronabedingte Schließung bekannt. Nach einer Selbsteinschätzung sehen sich aber etwa ein Viertel in ihrer Existenz bedroht.

Wie wichtig waren die Novemberhilfe und die Überbrückungshilfen, die die CDU-geführte Bundesregierung auf den Weg gebracht hatten?

Josef Mayer: Die November- und Dezemberhilfen haben mehr als 85 Prozent der Betriebe in extrem angespannter finanzieller Situation geholfen und ein Überleben erst möglich gemacht. Sie waren zwingend notwendig, teilweise aber schwierig in Kommunikation, Umsetzung und Inanspruchnahme.

Wie zufrieden sind Sie mit den von der Landesregierung eingeleiteten Öffnungsschritten?

Josef Mayer: Die frühe Öffnung der Außengastronomie war gut und richtig, hätte aber rasch mit weiteren zeitnahen Öffnungsschritten verbunden werden müssen. Der Vorlauf war deutlich zu kurz, es gab kaum Planungsmöglichkeiten – für Gastgeber und Gäste.

So ist Pfingsten fast ohne neue Buchungen verstrichen. Auch die gesetzten Maßstäbe an die Gastronomie im Verhältnis zum Handel sind nicht nachvollziehbar, die weitreichenden Hygienemaßnahmen unserer Betriebe wurden nicht berücksichtigt. Wir benötigen dringend die komplette dauerhafte Öffnung von Hotels und Restaurants innen und außen für alle Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten unabhängig von Inzidenzen. Nur so erhalten Gäste, Gastgeber und Mitarbeiter die notwendige Planungssicherheit.

In der Außengastronomie sollten Tests grundsätzlich entbehrlich sein – spätestens bei Inzidenzen unter 50.

Warum nutzen viele Betriebe noch nicht die Möglichkeiten zur Öffnung der Außengastronomie?

Josef Mayer: Außengastronomie kann nicht „unabhängig vom Wetter“ betrachtet werden. Der diesjährige Frühling tut sein Übriges. Ohne Innengastronomie sind weder Wareneinkauf noch Personaleinteilung kalkulierbar. Ebenso spielen die Unsicherheit der Entwicklung des Infektionsgeschehens sowie die zu großen Schutz- und Hygieneanforderungen eine Rolle.

Rechnen Sie damit, dass nach dem Öffnen der Innengastronomie ein großer Nachholbedarf bei Gästen spürbar wird?

Josef Mayer: Sicherlich besteht ein Nachholbedarf. Feierlichkeiten werden kurzfristig wohl nicht nachgeholt werden können. Grundsätzlich bin ich mir sicher, dass sich die Gäste nach langen Monaten der Abstinenz nach einem Restaurantbesuch sehnen. Und wir alle freuen uns darauf, endlich wieder gute Gastgeber sein zu dürfen.

Hat sich in der Hotel- und Gaststättenbranche durch den sehr langen Lockdown der Fachkräftemangel verschärft?

Josef Mayer: Ja, das ist leider so. Ich erinnere mich an die Abwerbekampagne eines großen Lebensmitteldiscounters, der mit riesigen Anzeigen konkret unsere Mitarbeiter aufgefordert hat, die Branche zu wechseln. Das war alles andere als solidarisch in der größten Nachkriegskrise des Landes. Die Mehrheit unserer Betriebe im Rhein-Hunsrück-Kreis sind kleinere, familiengeführte Betriebe, von denen zum Glück die meisten mit ihren bewährten Teams wieder an den Start gehen dürfen und können.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Auf was freuen Sie sich nach dem Ende der Lockdown-Phase am meisten?

Josef Mayer: …, dass die Kollegen nicht kapituliert haben, sondern die Zeit positiv genutzt haben. Kreative Angebote außer Haus, Mitarbeiterschulungen und Modernisierungsmaßnahmen in ihren Betrieben zeugen von großem Vertrauen in die Zukunft. Bei diesen Kollegen wieder einkehren zu können und mich in stimmungsfroher Atmosphäre verwöhnen zu lassen: Darauf freue ich mich besonders.

Die Fragen stellte RHA-Redakteur Jürgen Zanger [za].

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